Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. KöGnigtums. 619
fangs zufällig, dann doch recht von Herzensgrund, und mit
dem besten Erfolge. Und ließen sich denn nicht auch gerade jetzt
politische Gründe für die Zulassung eines preußischen Königstitels
an das Haus Brandenburg zur Genüge anführen; jetzt,
wo man den schweren Sorgen des spanischen Erbfolgekriegs
entgegenging? Pater Wolff aber dachte sich den weiteren Ver—
lauf der Angelegenheit noch anders; er schwärmte für eine
Verheiratung des preußischen Kurprinzen mit einer Erzherzogin:
eine katholische Königin dereinst auf dem Throne Preußens,
das schien weitere konfessionelle Anwartschaften zu eröffnen.
Pater Volta aber hat später gemeint, die Konversion Friedrichs
sei ihm nur durch die Einmischung des ermländischen Bischofs
Zaluski, eines ungeschickten Mitarbeiters, verdorben worden.
Am 16. November 1700 sprach der Kaiser die Anerkennung
der preußischen Königswürde aus, sobald der Kurfürst, „über
kurz oder lang, zu welcher Zeit es ihm gefallen werde, wegen
seines Herzogtums Preußen sich vor einem König proklamieren
und krönen lassen werde“. Dagegen erneuerte Friedrich die
alte, noch aus der Zeit seines Vaters her stammende Allianz
mit dem Kaiserhause, und als wesentliche Folge dieser Allianz
für die Gegenwart wurde festgesetzt, daß Friedrich den Kaiser
im spanischen Erbfolgekriege mit 8000 Mann, gegen ein Jahres—
subsidium von 150 000 Gulden, zu unterstützen habe.
Im Dezember reiste der Kurfürst trotz harten Winters
nach Königsberg, am 18. Fanuar 1701 setzte er sich im Dome
der preußischen Hauptstadt unter den prunkendsten Feiern die
Krone aufs Haupt; Königsmantel, Zepter und Krone waren
schon vor dem Abschlusse des Wiener Vertrages fertiggestellt
worden.
Dem Paopste hat Friedrich seine Königskrönung nicht
einmal angezeigt; die Kurie protestierte heftig wenn auch nur
indirekt, da sie eine direkte Verwahrung anscheinend für unter
ihrer Wurde hielt, und erkannte den Ketzer nicht einmal als
Kurfürsten an; in dem römischen Staatskalender ist der König
von Preußen bis zum Jahre 1787 als Markgraf von Branden⸗
burg geführt worden. —