fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

Die wirtschaftliche Führerpersönlichkeit, 167 
schaftsführer so oft gescheitert, daß man sich fragen muß, ob wirklich 
die Auswahl und Heranziehung von aufwärtsstrebenden Menschen eine 
so außerordentlich seltene Gabe ist, oder ob nicht auch oft Vorurteile, 
Standes- und Bildungsbefangenheit oder gar verknöcherter Kastengeist 
eine Auslese herbeigeführt hat, die beispielsweise ein an schnellen Auf- 
stieg gewöhnter Amerikaner nicht getroffen haben würde. 
Aufstieg und soziale Frage — freie Bahn dem Tüchtigen — jahr- 
hundertelanges Ringen der Fürsten, Ritter, Bürger, Bauern und Arbeiter 
gegeneinander, eine Fülle von Schlagworten, politischer Kampf taucht 
unmittelbar vor uns auf — wir stehen auf dem umstrittensten Boden 
der nahen Vergangenheit, der Gegenwart, vor allem aber der kom- 
menden Zeit. 
Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß der Frage der Auf- 
stiegsmöglichkeit von modernen Wirtschaftsführern ganz besondere 
Aufmerksamkeit gewidmet werden muß, denn sie ist nicht nur wegen 
der Zuführung ständig frischen, unverbrauchten Blutes und Geistes in 
alle Schlagadern der Betriebe von geradezu ausschlaggebender Bedeu- 
tung, sondern sie führt außer ihrer Lösung im beschränkteren Rahmen 
des Einzelunternehmens hinaus zu dem Aufbau der menschlichen Ge- 
sellschaft im Industriestaat überhaupt. Daß viele tüchtige und streb- 
same Menschen auch unter ungünstigen Umständen sich den ihrer 
Begabung und Leistung entsprechenden Wirkungskreis geschaffen 
haben, kann ebensowenig als der einzig tröstliche Hinweis zur Vor- 
wärtsentwicklung angesehen werden wie die Theorie der zur Verelen- 
dung verurteilten Masse während der Jahrhunderte der kapitalistischen 
Wirtschaftsmethoden die Unmöglichkeit des Aufstiegs beweisen kann. 
Der industrielle Führer hat gerade in dieser Beziehung eine große Ver- 
antwortung vor der Allgemeinheit, nicht etwa in dem Sinne menschen- 
freundlicher Neigungen und Hilfeleistungen, die selten Tüchtigkeit, 
Selbstvertrauen und Kraft zu erwecken oder zu fördern geeignet sind, 
sondern in dem der Schaffung von Möglichkeiten, die wirklich Begabten 
ausfindig zu machen und ihnen im wohlverstandenen Allgemeininteresse 
wie dem eigenen nach und nach steigend schwierigere Aufgaben zur 
Bewährung anzuvertrauen bis zu dem Punkt, wo die volle Leistung 
und die größte Befriedigung für alle Teile erreicht ist. 
Die Verfahren, welche bei dieser richtigen Auswahl und F örderung 
angewandt werden können, führen nur zum kleinsten Teil auf mecha- 
nischen, psychotechnischen oder ähnlichen Wegen zum Erfolge, wenn- 
gleich die Fortschritte dieser Wissenschaften zweifellos erhebliche Aus- 
sichten für die Zukunft eröffnen. Gewiß werden der Leiter von Betrieben 
bzw. die für die Einstellung passender Kräfte von ihm mit dieser — 
wenn ernst und richtig angefaßt, sehr schwierigen — Aufgabe Be-
	        
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