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Dritter Teil,
bei absolut zuverlässigen Homosexuellen nach ihren Erfah-
rungen im Kreise ihrer Bekannten erkundigt. Natürlich gibt
das nur ein einseitiges, beschränktes Bild. Deshalb machte er
Enqueten, indem er sich erstens an 3000 Studenten der Char-
lottenburger technischen Hochschule und zweitens an 5721 Ar-
beiter der Metallbranche, die voraussichtlich, da es sich um aus-
geprägt männliche Arbeit handelt, die wenigsten Invertierten
aufweisen würde, wandte. Beide Wege führten zu ähnlichen
Resultaten, wie auch eine vor zwei Jahren durch von Römer bei
fast 600 Amsterdamer Studenten vorgenommene Enquete, was
alles sehr für die Richtigkeit der Schlüsse spricht. So kommt
denn der Verfasser zum Schlusse, daß sich in Deutschland wenig-
stens 1200000 Personen befinden, die rein oder überwiegend
homosexuell veranlagt sind, davon allein 56000 in Berlin8
In der Anwendung von Gummiartikeln und anderen zeugungs-
verhindernden Mitteln in der sogenannten freien Liebe vermögen
wir an sich keine unmoralischen, sondern höchstens unästhe-
tische Handlungen, die bisweilen, und bei außerehelichen Liebes-
verhältnissen sogar meistens, zur Notwendigkeit eines sitt-
lichen Gebotes, nämlich des Verantwortlichkeitsgefühles der
Gesellschaft gegenüber werden können, zu erblicken vermögen.
Wohl aber müssen wir vielmehr noch von der Ausbreitung der
Praktiken sprechen, die dazu dienen, eine bereits stattgefundene
Befruchtung wieder aus der Welt zu schaffen. In einem Vergleich
zwischen dem Dirnenwesen in der Stadt und dem auf dem
Lande heißt es: „Nur sind diese Prostituierten des Dorfes nicht
so raffiniert wie ihre Schwestern in der Stadt. Der Irrigator ist
bei ihnen nicht der regelmäßige Schmuck ihrer einfachen
Wohnungen, und die Abtreibungskünste der Großstadt sind
83 Rezension von P. Näcke, über Julius Hirschfeld, Das Ergeb-
nis der statistischen Untersuchungen über den Prozentsatz der Homo-
sexuellen, Leipzig 1904, Spohr, in der Politisch-Anthropologischen Revue,
Juni 1904, IM. Jahrg., Nr. 3, S. 214/215.