DT Die „Kulturmission“ der abendländischen Völker.
Sklaven am Herde stehen. Der eine Herd soll für sie alle kochen. Was ich
sagen will, ist dieses: Will man „libert6 nationale“, so geht es eben nur durch
„6galit6 sociale‘; Ich erwarte für die Lösung der Kolonisationsfrage gar nichts
von den Politikern. Diese sind so praktisch, daß sie vor lauter Praxis unprak-
tisch werden. Ich erwarte nichts von den Ministern. Nichts von Generälen,
Vollends nichts von Gelehrten und Literaten. Ich habe so viele Regierende
gesehen, daß ich gelernt habe: auch die Mächtigsten irren. Irren ist mensch-
lich. Und auch wir alle hier können heute irren. Aber ich erwarte alles von
der Macht der Organisation, wenn diese allen Subjektivismen und Nationalis-
men entrückt ist. Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das heißt: „In Peking
ist die Wahrheit keine andere als in Nanking.“ Das soll besagen: es gibt nicht
eine Logik für den Norden und eine andere Logik für den Süden. Es gibt
nicht eine Wahrheit, die gilt für Asien und eine andere Wahrheit, die gilt für
Europa. Es gibt nur die eine Logik, nur die eine Wahrheit. Sie gilt für alle,
welche denken. Also: es muß eine Organisation geben, die entrückt ist aller
Willkür der Nationalität und der subjektiven Überzeugung. Damit komme
ich zum Schluß. Ich habe vor Jahren die Theorie aufgestellt und bewiesen,
daß der Anfang aller Technik der Mord ist. Die Technik begann mit den künst-
lichen Methoden des Fischfangs und der Jagd und des Tötens der Beutetiere.
So wird auch der Mord das Ende der Technik sein. Die Physik Europas steht
unmittelbar vor einer großen Wende. Es ist soeben den englischen Physikern
gelungen, durch künstliche Vorrichtungen das chemische Atom zu spalten.
Damit eröffnen sich ganz neue unbegrenzte Möglichkeiten für die europäisch-
amerikanische Technik. Es dürfte nämlich irgendwann einmal dahin kommen,
daß eine einzelne Person, welche die Methoden der modernen Physik und
Chemie beherrscht, den Versuch machen kann, eine ganze Stadt, ja schließ-
lich die ganze Erde in die Luft zu sprengen. Das klingt Ihnen phantastisch, ja
es klingt lächerlich. Aber es ist so. Es wird an einem nicht allzu fernen
Tage technisch möglich sein, und dann ist der Punkt erreicht, wo notwendig
ein die ganze Erde übergreifender Kommunismus einsetzen muß, es wird
nämlich bald schon unvermeidlich sein, gewisse Mordwerkzeuge und ge-
fährliche Stoffe der Kontrolle der Staatsvernunft zu unterstellen. Nehmen
Sie nur dies eine einfache Beispiel. Ein einzelner Abenteurer, ein Räuber-
hauptmann namens Cortez, ist mit einem Rudel Spießgesellen nach
Südamerika hinübergefahren und hat das ganze Reich der Inka zerstört.
Warum? Die Mordbuben hatten ein paar Kanonen. Mit denen konnten sie
leicht Menschen, die wie Blumen lebten in kommunistischen Gemeinschaften,
wehrlos zusammenschießen. Heute ist es so weit, daß ein einzelner gewissen-
loser Großunternehmer, wenn er Riesenkapital und die Waffe der Technik
benutzt, leicht eine ganze Stadt von der Erde fortrasieren könnte. Da wird es
denn doch nötig, an die Expropriation der Expropriateure zu denken. Eine
solche Technik darf eben nicht mehr einer einzelnen nationalen Gruppe zu-
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