Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Nachwort zur zweiten Auflage. 
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Dekonomie. Es handelte sich jetzt nicht mehr darum, ob‘ dies oder 
jenes Theorem wahr sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder 
schädlich, bequem oder unbequem, ob polizeiwidrig ‚oder nicht. An 
die Stelle uneigennütziger Forschung trat bezahlte Klopffechterei, 
an die Stelle unbefangener wissenschaftlicher Untersuchung das 
böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apologetik [der Recht- 
fertigung]. Indes selbst die zudringlichen Traktätchen, welche die 
Anti-Cornlawleague [der Bund zur Bekämpfung der Kornzölle] mit 
den Fabrikanten Cobden und Bright an der Spitze, in die Welt 
schleuderte, boten, wenn kein wissenschaftiliches, doch ein histo- 
risches Interesse durch ihre Polemik gegen die grundeigentümliche 
Aristokratie. Auch diesen letzten Stachel zog die Freihandelsgesetz- 
gebung seit Sir Robert Peel der Vulgärökonomie aus. 
Die kontinentale Revolution von 1848/49 schlug auch auf Eng- 
{and zurück. Männer, die noch wissenschaftliche Bedeutung bean- 
spruchten und mehr sein wollten als bloße Sophisten und Syko- 
phanten? der herrschenden Klassen, suchten die politische Oekonomie 
des Kapitals in Einklang zu setzen mit den jetzt nicht länger zu 
ignorierenden Ansprüchen des Proletariats. Daher ein geistloser 
Synkretismus [vermittelnde Vereinigung gegensätzlicher Auffassun- 
gen], wie ihn John Stuart Mill am besten repräsentiert. Es ist eine 
Bankerotterklärung der „bürgerlichen“ Oekonomie, welche der große 
russische Gelehrte und Kritiker N. Tschernyschewsky in seinem 
Werk „Umrisse der politischen Oekonomie nach Mill“ bereits 
meisterhaft beleuchtet hat. 
In Deutschland kam also die kapitalistische Produktionsweise 
zur Reife, nachdem ihr antagonistischer [auf Gegensätzen beruhen- 
der] Charakter sich in Frankreich und England schon durch geschicht- 
liche Kämpfe geräuschvoll offenbart hatte, während das deutsche 
Proletariat bereits ein viel entschiedeneres theoretisches Klassen- 
bewußtsein besaß als die deutsche Bourgeoisie. Sobald eine bürger- 
liche Wissenschaft der politischen Oekonomie hier möglich zu werden 
schien, war sie daher wieder unmöglich geworden. 
Unter diesen Umständen teilten sich ihre Wortführer in zwei 
Reihen. Die einen, kluge, erwerbslustige, praktische Leute, scharten 
sich um die Fahne Bastiats, des flachsten und daher gelungensten 
Vertreters vulgärökonomischer Apologetik; die andern, stolz auf die 
Professoralwürde ihrer Wissenschaft, folgten J. St. Mill in dem 
38 Im Griechischen bedeutet Sykophant einen Denunzianten mit niedrigen 
Absichten. Der Engländer bezeichnet mit dem Wort einen Menschen, der 
Leuten schmeichelt, von denen er einen Vorteil erwartet. Marx gebraucht 
das Wort meist im englischen Sinne. K.
	        
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