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des Mehrlohns aus der Tasche des Arbeiters in die eigene
Tasche zurückleitet. Solange die Preissteigerung der Be
darfsartikel gegenüber der Lohnsteigerung noch eine Marge
läßt, solange entstehen in ruhigen Zeiten und bei normalem
Geschäftsgang keine Schwierigkeiten. In kritischen Tagen
freilich und bei schwindender Marge muß eine Störung des
Gleichgewichts in dem gewaltigen Bau eintreten, der in
seiner zollpolitischen Grundlage doch nur als künstlich
bezeichnet werden kann.
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Wenn man von dem Standard of life der arbeitenden
Bevölkerung Amerikas sprechen will, muß man vor allem
zwischen den amerikanischen Arbeitern und den Arbeitern
in Amerika unterscheiden. Zu jenen sind mit den Ein
geborenen alle die zu rechnen, die sich den Landessitten
und Landesanforderungen angepaßt haben, da sie nach
drüben gegangen sind, um dort eine Heimat für sich und
ihre Nachkommen zu finden. Man darf aber nicht die Zu
wanderer zu ihnen zählen, die nicht willens oder auch nicht
imstande sind, sich der neuen Umgebung einzufügen, die
als Fremde in den Staatengebieten der Union verweilen, zu
vorübergehendem, wenn auch bisweilen wiederkehrendem
Aufenthalt. Diese behalten natürlich Art und Ansprüche der
Heimat, die sie nur verlassen haben, um von den Brosamen
zu naschen, die von den Tischen eines begünstigteren Ge
schlechts fallen. Sie sind lediglich Passagiere, Gäste, die
von der — nicht immer zutreffenden — Hoffnung geleitet
sind, ihre kulihafte Genügsamkeit würde ihnen das Finden
von Arbeitsgelegenheit erleichtern. Diese „Amerikagänger“
mögen noch so oft ihren Aufenthalt in Amerika erneuern —
amerikanische Arbeiter werden sie nicht. In Wohnung
und Kleidung, in ihrer ganzen Lebenshaltung gehen sie