Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Erster Abschnitt. 
Organisation des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wir- 
kungsfähigkeit der Produktionsmittel, und durch Naturverhältnisse. 
Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich zum Beispiel bei günstiger Ernte 
in 8 Bushel Weizen dar, bei ungünstiger in nur 4. Dasselbe 
Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen 
Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor und ihre 
Findung kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen 
sie in wenig Umfang viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daß Gold jemals 
seinen vollen Wert bezahlt hat. Noch mehr gilt dies vom Diamant. 
Nach Eschwege hatte 1823 die achtzigjährige Gesamtausbeute der 
brasilianischen Diamantgruben noch nicht den Preis des anderthalb- 
jährigen Durchschnittsprodukts der brasilianischen Zucker- oder 
Kaffeepflanzungen erreicht, obgleich sie viel mehr Arbeit darstellte, 
also mehr Wert. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Ar- 
beitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert 
sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu ver- 
wandeln, so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. 
Allgemein: Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner 
die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto 
kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein 
Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto 
größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, 
desto größer sein Wert. Die Wertgröße einer Ware wechselt also 
direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der 
sich in ihr verwirklichenden Arbeit. 
Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist 
dies der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit 
vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, 
wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt 
menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Pro- 
dukt sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, 
aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Ge- 
brauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, gesell- 
schaftlichen Gebrauchswert.11* 
Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegen- 
stand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene 
Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert. 
214 Engels bemerkt hierzu: „Und nicht nur für andere schlechthin. 
Der mittelalterliche Bauer produzierte das Zinskorn für den Feudalherrn, 
das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehntkorn 
wurden dadureh Ware, daß sie für andere produziert waren. Um Ware 
zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, 
durch den Austausch Übertragen werden.“ — Diese Bemerkung er- 
schien Engels notwendig, weil sehr häufig das Mißverständnis entstanden 
war, jedes Produkt, das von einem andern als dem Produzenten konsumiert 
wird, gelte bei Marx als Ware. K.
	        
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