Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Dreiundzwanzigstes Kapitel. 
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Es ist hier der Ort, auf eine der Großtaten der ökonomischen 
Apologetik zurückzukommen. Man erinnert sich, daß, wenn durch 
Einführung neuer oder Ausdehnung alter Maschinerie ein Stück 
variables Kapital in konstantes verwandelt wird, der ökonomische 
Apologet diese Operation, welche Kapital „bindet“ und eben dadurch 
Arbeiter „freisetzt“, umgekehrt so deutet, daß sie Kapital für den 
Arbeiter freisetzt. [Vgl. dreizehntes Kapitel, Nr. 6: Die Kompen- 
sationstheorie usw.] Erst jetzt kann man die Unverschämtheit des 
Apologeten vollständig würdigen. Was freigesetzt wird, sind nicht 
nur die unmittelbar durch die Maschine verdrängten Arbeiter, son- 
dern ebenso ihre Ersatzmannschaft und das, bei gewohnter Aus- 
dehnung des Geschäfts auf seiner alten Basis, regelmäßig aufgenom- 
mene Zuschußkontingent. Sie sind jetzt alle „freigesetzt“, und jedes 
neue funktionslustige Kapital kann über sie verfügen. Ob es sie 
dder andere anzieht, die Wirkung auf die allgemeine Arbeits- 
nachfrage wird gleich Null sein, solange dies Kapital gerade hir 
teicht, um den Markt von ebensoviel Arbeitern zu befreien, als die 
Maschinen auf ihn geworfen. Beschäftigt es eine geringere Zahl, so 
wächst die Menge der Ueberzähligen; beschäftigt es eine größere, 
80 wächst die allgemeine Arbeitsnachfrage nur um den UVeberschuß 
der Beschäftigten über die „Freigesetzten“. Der Aufschwung, den 
aulagesuchende Zusatzkapitale sonst der allgemeinen Arbeitsnach- 
lrage gegeben hätten, ist also in jedem Fall insoweit weitgemacht, 
Wie die von der Maschine aufs Pflaster geworfenen Arbeiter reichen. 
Der Mechanismus der kapitalistischen Produktion sorgt also 
dafür, daß der absolute Zuwachs von Kapital von keiner entsprechen- 
den Steigerung der allgemeinen Arbeitsnachfrage begleitet ist. Und 
dies nennt der Apologet einen Ausgleich für das Elend, die Leiden 
und den möglichen Untergang der aus ihrer Beschäftigung gewor- 
lenen Arbeiter während der Uebergangsperiode, welche sie in die 
industrielle Reservearmee bannt! ; 
Die Nachfrage nach Arbeit ist nicht gleichbedeutend mit Wachs- 
hım des Kapitals, die Zufuhr der Arbeit nicht mit dem Wachstum 
der Arbeiterklasse, so daß zwei voneinander unabhängige Potenzen 
aufeinander einwirkten. Die Würfel sind gefälscht. Das Kapital 
agiert auf beiden Seiten zugleich. Wenn seine Akkumulation einer- 
seits die Nachfrage nach Arbeit vermehrt, vermehrt sie anderseits 
die Zufuhr von Arbeitern durch deren „Freisetzung“, während zu- 
gleich der Druck der Unbeschäftigten die Beschäftigien zur Flüssig- 
Machung von mehr Arbeit zwingt, also in gewissem Grade die Ar- 
beitszufuhr von der Zufuhr von Arbeitern unabhängig macht, Die 
Bewegung des Gesetzes der Nachfrage und Zufuhr von Arbeit auf 
dieser Basis vollendet die Despotie des Kapitals. 
Sobald daher die Arbeiter hinter das Geheimnis kommen, wie 
88 zugeht, daß im selben Maße, wie sie mehr arbeiten, mehr fremden 
Reichtum produzieren und die Produktivkraft ihrer Arbeit wächst, 
Sogar ihre Funktion als Verwertungsmittel des Kapitals immer un- 
Das Kapital. I, 87
	        
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