Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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37° 
Erstes Kapitel. 
17 
oder mit ihr „Austauschbares“.‘ In diesem Verhältnis gilt der Rock 
als Existenzlorm von Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er 
dasselbe wie die Leinwand. Anderseits kommt das eigene Wertsein 
der Leinwand zum Vorschein oder erhält einen selbständigen Aus- 
druck, denn nur als Wert ist sie auf den Rock als Gleichwertiges 
oder mit ihr Austauschbares bezüglich. So ist die Buttersäure ein 
vom Propyliormat verschiedener Körper. Beide bestehen jedoch aus 
denselben chemischen Substanzen — Kohlenstoff (C), Wasserstoff 
(H) und Sauerstoff (0), und zwar in gleicher prozentiger Zusammen- 
setzung, nämlich C,H,0,. Würde nun der Buttersäure das Propyl- 
format gleichgesetzt, so gälte in diesem Verhältnis erstens das 
Propylformat bloß als Existenzform von C,H,0, und zweitens wäre 
gesagt, daß auch die Buttersäure aus C,H,O, besteht. Durch die 
Gleichsetzung des Propylformats mit der Buttersäure wäre also ihre 
chemische Substanz im Unterschied von ihrer Körperform aus- 
gedrückt. 
Sagen wir: Als Werte sind die Waren bloße Gallerten mensch- 
licher Arbeit, so reduziert unsere Analyse dieselben auf die Wert- 
abstraktion, gibt ihnen aber keine von ihren Naturalformen ver- 
schiedene Wertform. Anders im Wertverhältnis einer Ware zur 
andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigene Be- 
ziehung zu der andern Ware. . 
Indem zum Beispiel der Rock als Wertding der Leinwand 
gleichgesetzt wird, wird die in ihm steckende Arbeit der in ihr 
steckenden Arbeit gleichgesetzt. Nun ist zwar die Schneiderei, die 
den Rock macht, eine von der Weberei, die die Leinwand macht, 
verschiedenartige konkrete Arbeit. Aber die Gleichsetzung mit der 
Weberei reduziert die Schneiderei tatsächlich auf das in beiden 
Arbeiten wirklich Gleiche, auf ihren gemeinsamen Charakter 
menschlicher Arbeit. Auf diesem Umwege ist dann gesagt, daß 
auch die Weberei, sofern sie Wert webt, keine Unterscheidungs- 
merkmalo von der Schneiderei besitzt, also abstrakt menschliche 
Arbeit ist. Nur der Aequivalenzausdruck verschiedenartiger Waren 
bringt den spezifischen Charakter der wertbildenden Arbeit zum 
Vorschein, indem er die in den verschiedenartigen Waren stecken- 
den, verschiedenartigen Arbeiten tatsächlich auf ihr Gemeinsames 
reduziert, auf menschliche Arbeit überhaupt.!"* 
a Note zur 2. Ausgabe. Einer der ersten Oekonomen, der nach 
William Petty die Natur des Wertes durchschaut hat, der berühmte Franklin, 
sagt: „Da der Handel überhaupt nichts ist als der Austausch einer Arbeit 
gegen andere Arbeit, wird der Wert aller Dinge am richtigsten geschätzt in 
Arbeit.“ („The Works of B. Franklin, etc., ed. by Sparks. Boston 1836“, 
vol. IL, p. 267.) Franklin ist sich nicht bewußt, daß, indem er den Wert aller 
Dinge „in Arbeit“ schätzt, er von der Verschiedenheit der ausgetauschten 
Arbeiten abstrahiert — und sie so auf gleiche menschliche Arbeit reduziert. 
Was er nicht weiß, sagt er jedoch. Er spricht erst von „der einen Arbeit“, 
dann „von der andern Arbeit“, schließlich von „Arbeit“ ohne weitere Be- 
zeichnung als Substanz des Wertes aller Dinge. 
Das Kanital. I.
	        
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