Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

124 
theorie, auf die Böhm-Bawerks und Schumpeters Ein- 
wände zutreffen, vorliegt, werden wir jetzt noch nicht unter- 
suchen. Vielmehr wollen wir unsere Untersuchung erst noch 
in einer anderen Richtung fördern, nämlich hinsichtlich der 
Auffassung Schumpeters und Cassels über das Wesen des 
Kredits. 
Cassels Kapitaldisposition wird durch eine Genußgüter- 
menge repräsentiert, auf deren Konsum für eine gewisse Zeit 
zwecks Erwerbs eines Realkapitals von entsprechendem Werte 
verzichtet wird. In der modernen Tauschwirtschaft wird die 
Kapitaldisposition indessen in der Form des Geldes angeboten 
und nachgefragt, „der unmittelbare Gegenstand des Kapital- 
marktes ist also die Gelddisposition‘“1). Für Cassel ist demnach 
das Geld die zufällige Schale, für Schumpeter ist es dagegen 
der Kern des Kapitalphänomens. Für Schumpeter sind 
prinzipiell nur Summen zusätzlicher Kaufkraft, die der Unter- 
nehmer zwecks Durchsetzung neuer Kombinationen vom Bankier 
geliehen bekommt, Kapital. In der Statik gibt es daher für 
Schumpeter keinen Kapitalmarkt. Es gibt daher in der 
statischen Wirtschaft für Schumpeter auch keinen Kredit, 
denn unter Kredit versteht man doch weiter nichts, als den Akt 
der Übertragung von Kapital. Man übersieht daher nach 
Schumpeter auch nichts Wesentliches, wenn man annimmt, 
daß der statische Betriebsleiter die nötigen Mittel zur Fort- 
setzung der Produktion immer schon hat, wenn man vom Be- 
triebskredit, d. h. von den Summen statischer Kaufkraft, die 
zur kreislaufmäßigen Durchführung der Betriebe vom Bankier 
immer wieder zur Verfügung gestellt werden, abstrahiert, da 
es sich hier vom Schumpeterschen Standpunkt aus nur um 
ein technisches Hilfsmittel der Zirkulation handelt®). 
Für Cassel besteht dagegen auch in der Statik der Kapital- 
markt, wo mit Hilfe des allgemeinen Tauschmittels die zur 
Reproduktion des Realkapitals und gegebenenfalls zur Über- 
nahme des Realkapitalzuwachses in der gleichmäßig fort- 
schreitenden Wirtschaft, die wir ja auch mit in die Statik ein- 
beziehen, erforderliche Kapitaldisposition gehandelt wird. Das 
1) Cassel, Theorie, S, 394, . 
1) Schumpeter, Entwicklung, $. 202. >) ebda., S. 149/52.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.