Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen.
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Ausbruches derartiger Krankheiten, die anstecken und der Umge
bung Gefahr bringen könnten, 8 Personen zum Pflegen der Patienten
und zum fragen der Leichen ein für alle Mal bestimmt werden
sollten, diesen aber alsdann eine Entschädigung zu Theil würde.
Auch sah man den Ankauf eines „abgelegenen“ Häuschens vor,
um derartige Erkrankte isoliren zu können (Art. 103—106).
Man sieht aus dieser gedrängten Charakteristik der Verfassung,
dass die der ganzen Organisation zu Grunde liegenden (Gedanken
nicht verloren gegangen waren, man vielmehr sich angelegen sein
Hess durch sorgfältigere und eindringendere Regelung aller Ver
hältnisse grössere Gewähr für die Zufriedenheit Aller mit de
Handwerkern zu erlangen. Die städtische Obrigkeit zog vont
Gewerbebetriebe erhebliche Vortheile. Der städtische Säckel
füllte sich mit den Abgaben, die die Ämter zahlten; die Unter
haltung der Kirchen und Prediger wurde durch deren Beisteuern
erleichtert; die Ämter waren es, die junge rüstige Mannschaft,
gelegentlich gegen Sold, in Kriegszeiten stellten und bei dr
henden Gefahren, wie Eeuersbrünsten, zur Hand waren.
dies Alles zu erhalten, durfte man die Ämter sich nicht selbst
überlassen, sondern musste sie stets im Auge behalten. Der
überwachte ihre Sitzungen durch die Amtsherren; er behielt sid
die Entscheidung über Streitigkeiten in zweiter Instanz und bei
gewissen Angelegenheiten von vornherein vor, und er sorgte, dass
ihre Leistungen die Bevölkerung befriedigten. Dafür garantirte er den
Handwerkern das ausschliessliche Recht zum Betriebe des erwählten
Zweiges. Die Gewerbetreibenden selbst, die wohl wussten, dasS
es einer steten Beaufsichtigung bedarf, um Säumigkeit und Nac '
lässigkeit nicht auf kommen zu lassen, waren mit der Kontrole zu
frieden. Sie wachten selbst über die Handwerksehre und zogen
die Übertreter vorhandener Bestimmungen zunächst vor ihr poruni'
sie suchten sich durch Lehr- und Gesellenzeit und Meisterstück
vergewissern, dass die sich dem Amte anschliessenden Cienos ^
auf der Höhe der Zeit standen und allen Ansprüchen genüge^
könnten ; sie überraschten den Meister bei der Arbeit in sei
Werkstätte; sie brachten den Jüngeren Männern Zucht und gi* ^
Ordnung bei, indem sie sie zu gegenseitigem kameradschaftlich^^
Verhalten und zur Achtung der selbst gewählten VertrauenspersoH^
anleiteten, für Ärmere und Erkrankte, für Wittwen und Wai
sorgten und allen auf ihrem letzten Ciange das Ehrengeleit gab
Sie ihrerseits forderten dafür nur, dass man sie ungestört •