N Der Kampf um Indonesiens Unabhängigkeit.
ländischen Schatzamt Millionen von Gulden überwies. Später, als man für
die Ausbeutung der Naturreichtümer geschulte und billige Arbeitskräfte benö-
tigte, befaßte man sich mit dem praktischen Unterricht. Die Kolonialregie-
rung bestimmt für die indonesischen Kinder jährlich nur 18 Millionen
Gulden, d. h., auf den Kopf einer Bevölkerung von ungefähr 50 Millionen
ca. 1/; Gulden, für die Erziehung der Europäer hingegen reserviert sie
ungefähr ı1 Millionen Gulden, d. h., bei ungefähr 150000 Europäern
ca. 73 Gulden pro Person. Man darf jedoch nicht vergessen, daß der
größte Teil der Volkserziehung nicht durch die Regierung bezahlt wird. Das
ist alles, was die „Apostel der Zivilisation“ für die Kolonialuntertanen getan
haben. Und das ist alles, was sie uns „geistig profitieren“ ließen, alles, was
von der sogenannten „guten“ Kolonisation übrigbleibt. Diesen mageren Re-
sultaten hat sich noch etwas Lächerliches beigefügt. Seit den letzten Jahren
hat die Kolonialregierung eine übertriebene Tendenz, Ersparnisse zu machen,
gezeigt, durch welche die wichtigsten Interessen des Volkes benachteiligt
werden, beispielsweise der Unterricht, die öffentliche Hygiene und der
Ackerbau. Andererseits werden die Armee und Marine vermehrt. Die Steuern
sind unerträglich schwer.
Das sind die Resultate von mehr als 300 Jahren holländischer Kolonial-
verwaltung in Indonesien.
Was wird für die politische Erziehung des unterdrückten Volkes getan?
Man darf ruhig sagen, daß in dem holländischen Kolonialsystem für die
Jdee, ein kolonisiertes Volk zur Unabhängigkeit zu erziehen, kein Platz ist.
Das herrschende Prinzip ist, um jeden Preis die Kolonie zu halten, weil sie
die Grundlage für den Wohlstand Hollands bedeutet. Man erklärt deshalb
nie, daß die Kolonie für die Autonomie reif sel.
Welches sind die Mittel, die die Herrscher anwenden, um ihre Autorität
in der Kolonie aufrechtzuerhalten? Wenn wir die Beziehungen der Kolonial-
politik analysieren, so sehen wir, daß die Gewalt das Hauptmittel zu deren,
Aufrechterhaltung ist. Das holländische Kolonialsystem setzt sich fortwäh-
rend über die demokratische Idee hinweg. Bis 1854 wurde Indonesien einzig
mit der brutalen Gewalt regiert, aber als später diese Politik nicht mehr den
Erwartungen entsprach und man die Kontrolle der fremden Mächte be-
fürchtete, begann eine neue Periode, während welcher die Behörden ihre
Stütze im Gesetz suchten. Es war die Periode der sogenannten Regierungs-
verordnungen, d. h., es gab ein organisches Gesetz über die Kolonialver-
waltung, das nur ein Bluff war. Mit dieser Regierungsverordnung als Basis
der Kolonialregierung verwandelte man Indonesien nicht in einen modernen
Staat. Die Regierungsverordnung ist einfach der Ausdruck des Willens der
Herrschenden. Das indonesische Volk konnte derselben nichts gegenüber-
stellen. So sind die Gesetze in Indonesien nichts anderes, als ein Mittel, die
Autorität aufrechtzuerhalten. Ein Mittel, um im voraus jeden Versuch eines
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