Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV 1. 
strengungen, einen eigenen, nationalen Sklavenhandel zu be 
gründen und sich hierin von England zu emanzipieren. Wie 
es damals überhaupt die erste und zukunftsreichste Kolonial 
macht in Westindien war, so war es auch der erste Sklaven 
konsument. „Non seulement l’état actuel de la traite française 
sur les cotes de l’Afrique offre une progression au delà de 
toute mesure . . . mail il presente encore une augmentation 
de plus de moitié sur le nombre de noirs enlevés par les arma 
teurs français avant la dernière guerre“ (1779, Arnould I, 
S. 301). Die gewaltige Ausdehnung der Kulturen auf der frucht 
baren Südseite von Domingue, auf Guadeloupe, Martinique 
usw. seit Ende der 1770er Jahre hatte den französischen Be 
darf an Negern auf jährlich mindestens 40000 Stück — gegen 
15—16000 Stück, welche die englischen Inseln benötigten — 
gesteigert (siehe S. 82). Fast die Hälfte der von allen euro 
päischen Nationen verhandelten Neger ging, mit gesetzlicher 
Erlaubnis oder durch Schleichhandel, in die französischen 
Kolonien (de donnés, S. 102). Noch vor dem letzten Kriege 
mit England von 1779—83 hatten die französischen Sklaven 
händler jährlich nur 14—15000 Neger verschifft (Arnould I, 
S. 302), während sie in den der Revolution von 1789 unmittel 
bar vorhergehenden Jahren genau das doppelte nach West 
indien importierten. 30000 Neger fuhren damals in jedem 
Jahre in französischen Schiffen über den Ozean (Report 1789, 
VI; Brougham I, S. 530, auch II, Note Hh., S. 532; Edwards 
II, S. 101; Arnould I, S. 302; Southey III, S. 19; Bandinell, 
S. 86 u. a.). Dazu kamen noch weitere 10000 Sklaven, welche 
von Engländern in die französischen Inseln importiert wurden 
(ebendort). 
In früheren Zeiten hatten sich englische Sklavenhändler 
viel mehr an dem französischen Markte beteiligt. Durch den 
Beschlufs des französischen Staatsrates vom 26. Oktober 1784 
wurde dieser gewinnreiche englische Zwischenhandel dauernd 
gelähmt. Um ihrem eigenen Sklavenhandel gröfsere Ermunte 
rung zu geben, versprach die französische Regierung in diesem 
Erlafs eine Prämie von 40 livr. für jede Tonne eines in einem 
französischen Hafen für Afrika ausgerüsteten Schiffes. Für 
jeden Sklaven, der nach Guadeloupe und Martinique oder 
nach Süddomingue, Cayenne, Tabago und Lucie von fran 
zösischen Schiffen importiert wurde, sollte eine weitere Prämie 
von 60 oder 100, später sogar von 160 oder 200 livr. in Silber 
gezahlt werden. Gewisse aus europäischen (gemeint sind eng 
lische) Häfen nach Frankreich zum Zweck des afrikanischen 
Tauschhandels eingeführte Waren sollten abgabenfrei bleiben 
(Report 1789, VI: Arrêt du Conseil d’Etat du Roi). Nach 
Domingue durften britische Schiffe überhaupt keine Sklaven 
mehr importieren; nur die französischen Windward - Inseln 
standen ihnen gegen einen Importzoll von 6 livr. pro Kopf
	        
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