Object: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien. 
versäumte dieser das Land für sich zu behalten, um hier 
Einwanderer anzusiedeln, er verschleuderte es vielmehr in 
großen Stücken teils gegen lächerlich geringe Summen, teils 
als sog. Belohnungen für politisch einflußreiche Persönlich- 
keiten. Deshalb ist heute der Staat ohne genügendes Land 
für die Einwanderer und es ist sehr schwer, von den Groß- 
grundbesitzern kleine Landstücke von 4—5 ha zu kaufen, 
wie sie die Einwanderer wünschen, in der Nähe einer Eisen- 
bahn oder einer Stadt als konsumierendem Mittelpunkt. 
Daraus ‚erklärt es sich auch, daß schon in der nächsten Nähe 
großer Städte wie Victoria, Maya u. a. die Pampa mit ihrer 
primitiven Weidewirtschaft beginnt. 
Infolge dieser Verhältnisse ist die Bevölkerung in den 
Städten, besonders in Buenos Aires viel schneller gewachsen 
als auf dem Lande. Die Bevölkerung der Hauptstadt hat 
von 1869 bis 1895 um 5,2 %, das übrige Land nur um 2,7% 
jährlich zugenommen, was ein schlechtes Zeichen ‚ist, be- 
sonders wenn man weiß, daß ein starker Zustrom vom Lande 
nach. der Hauptstadt stattfindet, die sich auf Kosten des plat- 
ten Landes vergrößert. Der Zensus von 1895 zeigt deutlich 
diese Entvölkerung des Landes bis in die nächste Nähe der 
Hauptstadt. Dies ist alles eine verhängnisvolle Folge des 
Latifundiensystems. „Latifundia Romam perdiderunt.“ 
= Es sind wohl ‘noch bedeutende Flächen von Staats- 
ländereien zur Abgabe an Einwanderer vorhanden“), aber sie 
liegen in den abgelegensten Gegenden der Republik weit ab 
von allen Verbindungen und der Möglichkeit des Absatzes 
in größeren Städten. Das gute und günstig gelegene Land 
ist alles in Privatbesitz und die Eigentümer ziehen immer die 
Verpachtung dem Verkauf kleiner Teile vor®), denn sie haben 
damit eine Rente, ohne Kapital zu verlieren, während sie 
beim Verkauf für Kolonisationszwecke ihr Kapital durch die 
oft unsicheren und unpünktlichen Fristzahlungen zersplittern 
und die Rente verlieren. SO wird wohl die eigentliche Koloni- 
sation des Landes wenig Fortschritte machen, denn sie ent- 
spricht nicht den Interessen der großen Besitzer, die sich in 
einer bequemen Lage befinden, „und Argentinien wird nach 
Ansicht von Kennern des Landes dem traurigen Schicksal 
eines amerikanischen Irland nicht entgehen, der Bewirtschaf- 
tung des Landes nur durch Pächter. Latzina sagt: „Die 
' Description sommaire de la Republique Argentine comme 
pays d’immigration. 
?) Vgl. Latzina S. 443 u. f. 
19 
1
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.