Full text: Statistik der Evangelischen Liebestätigkeit (Halboffene und Offene Fürsorge) und Jugendarbeit

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Umgang mit den konservierenden Lohwassern gegen Krankheiten geschützt 
sein, letzteres ein wissenschaftlicher Streit, welcher in betreff der Cholera J ) 
und Tuberkulose bis heute noch nicht einwandfrei entschieden ist 3 ). 
Viel weniger Beachtung als die verhältnismäßig unschädlichen Aus 
dünstungen und Gerüche, welche heute mehr unter dem Gesichtspunkte 
der Belästigung der Nachbarschaft als unter dem der Krankheitsätiologie 
betrachtet werden, fand die Flußarbeit, welche das 17. Jahrhundert 
mit den charakteristischen Worten schildert, daß die Gerber die Häute 
„nach allen Lüsten bereiten, wobei die Arbeiter bis an die Waden im 
Dreck stehen" 4 * ), eine Schilderung, welche auch durch Abbildungen be 
zeugt ist 6 * ). Aber selbst nach Abstellung dieser groben Mißstände bleibt 
immer noch das Arbeiten in kalten oder nassen Räumen; die Arbeiten 
am Äscher, an den Beizen, am Schabebaum, ziehen eine mehr oder 
weniger starke Durchnässung nach sich, was wiederum Veranlassung 
gibt zu Katarrhen, Erkältungen, Rheumatismen, Entzündungen der 
Lunge, Durchfällen, gelegentlich auch zu Wassersucht "). 
Das Arbeiten mit den zur Ausübung des Gewerbes nötigen Werk 
zeugen bildet eine weitere Veranlassungsreihe von Erkrankungen. Hierher 
gehören Schwielen und akzidentelle Schleimbeutel, welche sich entzünden 
und vereitern können; die Körperstellung, besonders bei den Arbeiten 
am Schabebaum, ist eine ungesunde, sie führt zu Reizungszuständen der 
Harnwege, Leistendrüsenentzündungen und weiteren Erkrankungen der 
hier liegenden Organe und Hautpartieen. Die aus der Überanstrengung 
einzelner Muskelgruppen sich ergebenden Kontrakturen, Sehnenscheiden 
entzündungen, Handgelenksentzündungen endlich gehören ebenfalls in 
diese Reihe professioneller Erkrankungen'). 
Auch die U n f a l l g e f ä h r l i ch k e i t der Lederindustrie in bezug auf 
Verletzungen gehört in diese Kategorie; die letzte von den in 10 jährigen 
Perioden wiederholten Statistiken des Reichsversicherungsamtes datiert 
aus dem Jahre 1907, und danach ist die Unfallgefährlichkeit der 
Gerberei mit 9,25 pro Mille auch etwas unterhalb des Durchschnittes 
der Unfallhäufigkeit der Gesamtgewerbe, welche 9,66 pro Mille beträgt 8 ). 
Für die Weißgerberei speziell liegen keine Daten vor. 
Erkrankungen der Atmungsorgane infolge von Staub spielen bei 
der Weißgerberei eine verhältnismäßig geringe Rolle. 
Wichtiger und tiefergreifend sind die Alterationen durch Chemikalien 
‘) I. f. N. 1871, Bd. 17, S, 122/123; Popper 1882, S. 328. 
2) Layet 1877, S, 141; Popper 1882, S. 328. 
3 ) Vgl. Ledermart 1898, Nr. 13, S. 5. “) Piazza 1659, S. 499 f. 
») Frisius 1708, S. 423. °) Popper 1882, S. 57, 58, 324 ff. 
’) Hirth 1878, Bd. II, S. 148ff.; Lat,et 1877, S. 139ff. 
8 ) Ledermarkt 1908, Nr. 89; 1911, Nr. 55; 1910, Nr. 7,
	        
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