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Brunnenbette durch „heut" *). Ein großer Teil des mittelalterlichen Gewerbes
ging, worauf ja ebenfalls mehrmals hingewiesen wurde, in der
Öffentlichkeit vor sich^); fo wurde in Rothenburg 1601 den Rot- und
Weißgerbern, Schwarzfärbern und Seilern verboten, auf den Stadtmauern
das Leder usw. aufzuhängen, weil sich etliche unsauber gehalten hatten 3 );
Beckmann erzählt von dem Orte Schüttorf in der Grafschaft Bentheim, daß
dort der Reisende beim Eintritt in die Stadt das Gewerbe der Pergamenter
durch mehr als einen Sinn gewahr werden könnte; denn das ganze
Stadttor sei gemeiniglich mit nassen Häuten behängt ü; und die Augsburger
Vorschriften aus der Wende des 18. Jahrhunderts enthalten
das ausdrückliche Verbot, daß niemand „vor der Werckstatt heraussen
einige Arbeit zu Baum verrichten nit zugelassen sein" solle 8 ). Diese
Beispiele mögen noch einmal bekunden, daß eine Absonderung der
Gerbereien nicht vorhanden ist, sie mögen zeigen, welches die allgemeinen
gewerbehygienischen Zustände sind, sie machen uns die Schilderung
Ramazzini's verständlicher, und sie zeigen uns auch, wie die ersten
sanitären Bedenken gegen die Gerbereien aus den von diesen entwickelten
Gerüchen erwachsen sind; die Gerüche verursachenBernardin Ramazzini
Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz, die Gerüche veranlassen die Pferde
zur Widerspenstigkeit; Carminati hat aus der Einwirkung der putriden
Ausdünstungen auf einen Frosch auf die Schädlichkeit dieser Gase überhaupt
geschlossen 6 ); noch am Anfang des 19. Jahrhunderts ist der
„aashafte Dunstkreis", in welchem die Gerber arbeiten, das die Gesundheit
untergrabende Moment 7 ), und als die fortschreitende Erkenntnis
gezeigt hatte, daß zwar schädliche Gase, wie Kohlensäure, Ammoniak,
Schwefelwasserstoff, Aminbasen, gelegentlich auch Blausäure, sich entwickeln
8 ), daß aber diese Gase in starker Verdünnung auftreten, daß
eine Alteration der Gesundheit durch diese ausgeschlossen sei 9 ), da geriet
plötzlich die Gerberei in den Ruf eines überaus gesunden Gewerbes 10 );
schon der neapolitanische Arzt Cirillo hatte 1786 in einer Streitschrift
über die Abwässer der Gerbereien darauf hingewiesen, daß beim Gerben
nicht Fäulnis, sondern Konservierung und Balsamierung der Häute bewirkt
werde, und daß weder das Leder, noch die verschiedenen Wasser und
Beizen faulige Bestandteile enthalten oder ausdünsten^); besonders die
Lohgerber sollten durch Einatmung des Lohestaubes und durch den steten
0 Dunker 1803, S. 117. a ) Mummenhoff 1901, S. 114, siehe Abbild. 111.
s ) Roihenburg 1571-1696, S. 28; 1601. *) Beckmann 1796, S. 301.
6 ) Augsburg ca. 1800. 6 ) Carminati 1777, De putridis halitibus.
Map 1803, S. 142 ff. 8 ) Weyl 1897, S. 896; 1904, S. 117 f., 123; May
1803, S. 142ff.; Hirth 1874, S. 430, 437f. «) Hirth 1878, Bd. II, S. 146ff.
10 ) Neufville 1855, S. 89.
J1 ) Cirillo, lüflessioni intorno alla qualita delle acque nella Concia de
cuoi, 1786, 2. Auflage.