Full text : Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

— #19 —

lich (von anderen Gelegenheiten abgesehen) bei dem großen
Streik von Homestead. I

Die Vernichtung der Arbeitervereinigung

Der Vertrag, den Carnegies Arbeiter in den Homesteader
Werken im Jahre 1889 geschlossen hatten, lief 1892 ab.
Die Arbeiter machten sich keine Illusionen über die Absichten
 von Carnegie und Frick; sie wußten sehr gut, daß
Carnegie und Frick zur völligen Vernichtung ihrer Vereinigungen
 entschlossen waren, um gemeinsame Anstrengungen
zur Erzielung höherer Löhne und kürzerer Arbeitszeit zu
verhindern. Frick selber bezeugte 1892 vor der Kongreßkommission:
 „Wir wollen Leute haben, mit denen wir
einzeln verhandeln können. Wir lehnten es ab, nach jenem
Termin (dem 24. Juni 1892) noch mit der Vereinigten Gewerkschaft
 (der Eisenarbeiter) zu unterhandeln, und sagten
es ihnen klipp und klar.“
Mit jeder neuen Erfindung, welche Arbeit ersparte,
wurden mehr Leute entlassen, und die Bleibenden mußten
sich „beeilen‘, d. h. noch angestrengter schuften. Ihre
Löhne waren heruntergegangen, die Lebensmittelpreise gestiegen.
 Alles, was sie besaßen, war ihre Beschäftigung, und
lie war nicht bloß unsicher, sondern auch gefährlich; die
sogenannten „Unfälle“ in den Werken hatten Verstümmelungen
 und Todesfälle zur Folge. Aber wie schlecht bezahlt
and wie gefährlich diese Beschäftigung auch war, die Arbeiter
 mußten sich daran halten; die meisten hatten Familien
 zu ernähren; sie hatten Ausgaben gemacht, um nach
Homestead zu ziehen, und hatten weder Geld zu einem
neuen Umzug, noch Aussicht auf Beschäftigung an einem
anderen Orte. Um die bloße Selbsterhaltung kämpfend,
wollten sie nicht müßig dabeistehen und zusehen, wie ihnen
ihre Beschäftigung durch importierte Banden von nichtorganisierten
 Leuten, von „Räudigen‘, wie sie sagten, weggenommen
 würde.
Die übliche Ausrede, die Carnegie gegen die Forderungen
der Arbeiter vorbrachte, war die, sie seien „unvernünftig“‘.
Zur selben Zeit aber verdienten die Carnegie-Gesellschaften
            
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