Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 503
kontinentalen Kriegsschauplatze, als in England verliefen.
Jakob II., der katholische, durch den Oranier aus England
vertriebene König, hatte sich nach Frankreich geflüchtet, und es
hildete einen integrierenden Bestandteil der französischen Kriegs⸗
führung, ihn wiederum gegen den Oranier mit militärischer
Hilfe nach England zurückzuführen. Allein dieser Versuch einer
katholischen Restauration mißlang völlig; Jakob wurde am
. Juli 1690 auf irischem Boden, in der Schlacht am Boyne⸗
lusse, geschlagen. Und diese Niederlage war zugleich im Grunde
für alle englischen Pläne und Hoffnungen überhaupt ent—
scheidend. Denn im Jahre 1691 gelang es Wilhelm, sich
Irland zu unterwerfen, und ein nochmaliger Versuch der
Franzosen, Jakob zurückzuführen, diesmal zur See unter—
nommen, wurde am 22. Mai 1692 durch die vereinigte englische
und niederländische Flotte in der heißen Seeschlacht am Kap
La Hogue vereitelt. Damit war es denn besiegelt, daß Ludwigs
beständigster und gefährlichster Feind, der Oraniex, König
Englands bleiben werde; wie früher in der Schätzung der
Hilfsmittel Wilhelms, überhaupt nach England zu gelangen,
so hatte sich Ludwig XIV. jetzt in dem Überschlage seiner
Fähigkeit, sich in England zu halten, verrechnet.
Der Oranier aber König von England: das hieß eifrige
Kriegsführung auch in den Niederlanden bis zum Endziel, bis
zur Vernichtung der letzten universalmonarchischen Ansprüche
Frankreichs.
Auf dem niederländischen Kriegsschauplatze, auf den
Ludwig XIV. die besten Truppen und die besten Führer
sandte, war freilich das Niederringen Frankreichs wenigstens
in den ersten Kriegsjahren nicht so leicht; am 1. JZuli 1690
wurden die Niederländer unter dem Grafen, jetzt Fürsten
Waldeck bei Fleurus besiegt; und der bald darauf erfolgende
Zuzug deutscher Truppen, insbesondere auch der Branden—
burger nnter Kurfürst Friedrich, glich die Lage nicht wieder
zugunsten der Koalierten aus. Im Gegenteil: die nächsten
Jahre brachten wichtige Erfolge der Franzosen: so namentlich
die Eroberung von Mons (1091) und Namur (1692), dann