Full text: Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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hinein. Man glaubt im Namen unserer Wissenschaft auch 
auf diesem ihr fremden Gebiete den Richterspruch fällen 
zu dürfen. 
Als 1866 der damalige Heidelberger Professor Carl 
Dietzel für die Tübinger Zeitschrift einen Aufsatz über 
die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft schrieb '), ging 
er davon aus, daß die eigentliche Wissenschaft der Volks 
wirtschaft trotz der rapiden Entwicklung und großartigen 
Ausdehnung des volkswirtschaftlichen Lebens nur geringe 
Fortschritte gemacht habe. Er sucht den Grund dieser 
unerfreulichen Erscheinung und glaubt ihn hauptsächlich 
darin zu finden, daß der Volkswirtschaftslehre überhaupt ihr 
eigentümliches wissenschaftliches Wesen noch nicht zum 
vollen Bewußtsein gekommen sei, deshalb nicht, weil sie 
„zu häufig vermischt und absichtlich verknüpft werde mit 
der Lösung praktischer Streitfragen.“ Zwar sei es un 
zweifelhaft von besonderem Werte, daß die wissenschaft 
liche Volkswirtschaftslehre unmittelbar durch die Tatsachen 
des Lebens angeregt werde und aus ihnen hervorwachse, 
aber deshalb dürfe doch die wissenschaftliche Erörterung 
nicht „eine direkte Einwirkung auf schwebende Fragen 
des öffentlichen Lebens bezwecken.“ Der nachteilige Ein 
fluß der Vermischung oder Verwechslung der auf prak 
tische Ziele gerichteten Tätigkeit mit der eigentlichen 
Wissenschaft der Volkswirtschaft liege einmal darin be 
gründet, daß jene den reinen Erkenntniszweck der Wissen 
schaft gar nicht vor Augen haben dürfe, sondern sich einer 
die Erreichung des besonderen Zweckes direkt fördernden 
Behandlungsart zuwenden müsse. Sodann aber sei es 
.von besonderem Nachteile, für die wissenschaftliche For 
schung, daß die praktisch-politische Tätigkeit notwendiger- 
1) Tübinger Zeitschrift Band XXII, S. 329ff; Band XXIV, S. 80ff.
	        
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