Dialektik und Natur philosophie.
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der er uns später vor allem bei Paracelsus begegnen wird. Das
Ich ist der „Spiegel des Alls“, der alle Strahlen, die von diesem
ausgehen, in sich versammelt. Alle Kräfte, die sich im Universum
zerstreut finden, durchdringen sich in ihm zur lebendigen
Einheit und finden in ihm ihren gemeinsamen Mittelpunkt. Die
harmonische Entsprechung zwischen den Fähigkeiten und Vermögen
der Seele und denen der äusseren Natur wird bis ins Einzelne
durchgeführt: in den psychologischen Grundkräften des
Lebens, der Sinnesempfindung, der Einbildungskraft und der Vernunft
findet Bovillus die Nachahmung der verschiedenen Teile
des Kosmos und ihrer gesetzlichen Struktur wieder. Die Stellung
des Menschen im Centrum der Welt, die für Bovillus noch als
zweifellose Grundtatsache feststeht, wird damit begründet, dass er
das Herz und die Seele des Alls ist, in der das allgemeine Lebensprinzip
zu deutlichster Zusammenfassung und Erscheinung gelangt.
In Phantastischen Analogien wird der Vergleich des Uni-VErSums
mit einem Lebewesen entwickelt und ausgedeutet. Was
im Tiere die äussere Substanz, das ist in der Welt die Sonne; die
Bilder der Einbildungskraft entsprechen den Gestirnen, wie der
innere Sinn dem Firmament entspricht. In dem periodischen
Wechsel von Tag und Nacht stellt sich uns der Schlaf und das
Wachen des Alls dar. 62) Wir berühren diese seltsamen Gedankenspiele
nur wegen des geschichtlichen Interesses, das sie darbieten:
es ist die Grundanschauung der Naturphilosophie der Renaissance,
die sich hier ankündigt und vorbereitet. —
Die Erkenntnislehre des Bovillus ist auf dem Boden des
scholastischen Realismus erwachsen: sie vollzieht von Anfang
an eine strenge und unaufhebliche Trennung zwischen dem Sein,
das dem Begriff „an sich“ zukommt und der besonderen Form,
in der es sich innerhalb unseres begrenzten und abhängigen Verstandes
darstellt. Diese Sonderung wird sodann zu einem schroffen
Dualismus der Substanzen, wie ihrer Erkenntniskräfte weitergeführt;
wenn es dem „Intellekt der Engel“ gegeben ist, die Begrifte
und Wesenheiten in ihrem reinen unbeweglichen Sein zu
erfassen, so ist der menschliche dazu verurteilt, sie durch ein fremdes
Medium und vermöge eines stetigen Werdens zu erblicken.
Wie er seiner Natur nach mit der Materie verbunden ist, so
vermag auch sein Denken nur von sinnlichen Bildern