Metadata: Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde

[108 ERSTER TEIL: GEOGRAPHISCHE GÜTERLEHRE 
tropischen Afrika, in Mexiko, Mittel- und Südamerika, ist man zur Er- 
zeugung von Pflanzungskautschuk übergegangen. Mit dem Heranreifen 
der Plantagen kamen erst langsam, dann schneller und schließlich 
lawinenartig anwachsend, immer größere Mengen auf den Weltmarkt. 
Damit haben sich gleichzeitig in den letzten Jahrzehnten die Produk- 
tionsverhältnisse vollständig verschoben. Während noch im Jahre 1905 
fast die gesamte Kautschukerzeugung aus „wildem“ Sammelkautschuk 
bestand, betrug der Anteil des Plantagenkautschuks an der Welterzeugung 
im Jahre 1912 fast ein Drittel, 1914 schon mehr als die Hälfte und 
im Jahre 1927 reichlich neun Zehntel (93,9 %). Damit hat sich auch 
die Bedeutung der einzelnen Produktionsländer völlig geändert. War 
noch in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Brasilien 
das wichtigste Erzeugungsland, das aus seinen Urwäldern im Amazonas- 
gebiet die Hälfte der Welternte lieferte, so sind jetzt die südostasiatischen 
Länder, die Malakkahalbinsel, Ceylon und Niederländisch-In- 
dien, an seine Stelle als Haupterzeuger getreten, und Brasilien war 
1927 nur noch mit etwa 4,5% an der Welternte beteiligt. 
Die beste Kautschuksorte ist aber immer noch der im Mündungsgebiet des 
Amazonas erzeugte Parakautschuk, der nach seinem Hauptausfuhrhafen 
genannt ist. Der Schwerpunkt der brasilianischen Erzeugung liegt aber heute 
weiter im Innern und hat seinen Handelsmittelpunkt in Manaos, wohin auch 
der Kautschuk von Peru über Iquitos und der von Ecuador gebracht wird. Von 
Manaos bringen englische Dampfer das wertvolle Gummiprodukt in direkter 
Fahrt nach Europa. Neben einigen anderen Landschaften Brasiliens (nament- 
lich Ceara und Minas Geraes) erzeugen auch Mittelamerika und die tropischen 
Tieflandsgebiete Mexikos wilden und neuerdings auch Pflanzungskautschuk. 
In Afrika liegen die Hauptgebiete in den äquatorialen Urwäldern des 
Westens (Kongostaat, Französisch-Guinea, Kamerun, Nigeria, Togo usw.) und 
in ehemalig Deutsch-Ostafrika, das — bei schneller Steigerung in den letzten 
Jahren vor dem Kriege — fast die Hälfte der afrikanischen Erzeugung lieferte. 
Heute wird es von den Guinea- und Kongoländern übertroffen. 
Die gesamte jährliche Welterzeugung an Kautschuk ist entsprechend 
dem steigenden Verbrauch von rund 50000 t i. J. 1900 auf 160000 t 
1. J. 1915 und auf rund 650000 t im Jahre 1926 gestiegen. Im folgenden 
Jahre sank die Produktion etwas, auf 623000 t. Da die brasilianische 
Erzeugung seit 1910 ständig zurückgegangen ist und erst neuerdings 
wieder eine ganz leichte Aufwärtsbewegung zeigt, entfällt die ge- 
samte Zunahme auf die südostasiatischen Pflanzungsgebiete. 
In den letzten Jahren hat die Erzeugung so stark zugenommen, daß sie 
den Bedarf wesentlich übersteigt. Durch gesetzliche Einschränkung 
des Anbaus suchten die Engländer die gesunkenen Preise wieder zu 
heben. Die Maßnahmen scheiterten aber einmal daran, daß die nieder- 
ländischen Produzenten ihre Erzeugung erhöhten, und sodann an dem 
Widerstand des Hauptkonsumenten, der Vereinigten Staaten, die außer 
mit anderen Gegenmaßregeln mit dem Anbau in ihren eigenen tropischen 
Gebieten drohten, auch im Negerfreistaat Liberia mit der Anlage großer 
Plantagen begannen. 
Fast die gesamte Welterzeugung geht in die Industrieländer der 
gemäßigten Zone. Weitaus obenan unter den Verbrauchern stehen die 
Vereinigten Staaten, die im Mittel der Jahre 1919—1927 etwa
	        
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