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ZWEITER TEIL: DER VERKEHR
Wien hin orientiert. Die vorwiegend west-östliche Erstreckung der
Tschechoslowakei und zugleich das Bestreben, Prag auf Kosten Wiens
zu begünstigen, führte zu einer mehr west-östlichen Einstellung der
Durchgangslinien, für die aber die Verbindungen zu einem guten
Teil erst noch geschaffen werden müssen. — Die neue Schnellzugverbindung
Prag — Bukarest führte man nicht auf dem direkten Weg
quer durch Ungarn, sondern ließ sie diesen Staat fast angesichts der
Grenze in einem großen Bogen umgehen. — Der Streit um verkehrswichtige
Grenzorte führte zu den kuriosesten, jeder vernünftigen Verkehrsregelung
hohnsprechenden Bestimmungen. Monschau an der belgischen
Grenze blieb bei Preußen und Gmünd an der tschechischen
vei Österreich. Ihre Bahnhöfe aber fielen den Siegerstaaten zu. —
Die Ortschaft Walk wurde, da man sich nicht einigen konnte, unter
Lettland und Estland, Teschen unter Polen und die Tschechoslowakei
aufgeteilt. Dadurch, daß die rein deutschen Grenzorte Bentschen, Konitz,
Lissa, weil sie für Polen strategisch wichtig sind, zu diesem Lande
geschlagen wurden, fielen aus dem deutschen Verkehrsnetz Bahnstrecken
und Knotenpunkte heraus, die wichtige Verbindungen des innerdeutschen
Verkehrs darstellen und deren Verlust zu vielfachen Umwegen, Zeitverlusten
und Verteuerungen im grenznahen Verkehr zwingt.
In derselben Richtung liegen das Bestreben und die vielfachen
Versuche, vornehmlich unserer westlichen Nachbarn, nach dem Kriege
den internationalen Westost- und Nordwestsüdostverkehr um Deutschland
herumzuleiten. Aber diese Versuche sind mit wenigen Ausnahmen
gescheitert, weil die Umwege zu groß oder die gewählten Strecken
für den Schnellverkehr nicht geeignet waren. Deutschlands wichtige
Lage für den internationalen europäischen Durchgangsverkehr, die es
zum Träger der kürzesten Verbindung zwischen Nordsee und Mittelmeer
wie zwischen West- und Osteuropa macht, läßt sich eben nicht
aus der Welt schaffen. Allmählich fing man an, auch vom Westen
her wieder internationale Durchgangszüge durch Deutschland zu leiten,
und heute sind nicht nur die Verbindungen der Vorkriegszeit wieder
hergestellt, sondern stellenweise weit über das damalige Maß hinaus
ausgestaltet worden. Außerdem haben viele der europäischen Expreßlinien
Anschluß an die Durchgangslinien Asiens erhalten. So stehen
Nord-, West- und Mitteleuropa über Riga, Warschau und Moskau in
direkter Verbindung mit Wladiwostok und Tokio, der Simplon-Orient-Expreß
(Londor— Konstantinopel) hat in Konstantinopel Anschluß nach
\ngora und Aleppo und damit an die Hedschas- und Bagdadbahn.
Die großen internationalen Luxuszüge, die mit durchgehenden
Wagen, Speise- und Schlafwagen den europäischen Kontinent mehr
>der weniger vollständig durchqueren, lassen sich nach ihren Ausgangsund
Endpunkten .in gewisse Gruppen zusammenfassen.
U. In meridionaler Richtung verlaufen:
a) zur Verbindung Nordsee— Schweiz: derEdelweiß-Expreß: Antwerpen—
Brüssel — Straßburg — Basel; der Rheingold-Expreß: Hoek van Holland
and Amsterdam—Köln—Karlsruhe—Basel—Luzern: der Engadin-Expreß:
London— Paris —Basel-— Chur — St. Moritz und der Oberland-Expreß: London—Belfort—Biel—Bern—
Luzern.