I. DIE KORNKAMMERN DER ERDE
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Naturgemäß sind europäische Völker auch die Hauptverbrau-
cher des Roggens, und zwar bevorzugen die Nordslawen und die
Germanen das Roggenbrot, Engländer, Romanen und Südslawen das
Weizengebäck. Die Weizen essenden Engländer erweisen sich darin
Nicht als reine Germanen.
Im Gegensatz zum Roggen kann der Weizen hinsichtlich seiner
geographischen Verbreitung wie die Gerste als ein Weltgetreide an-
gesprochen werden; denn er wird in den wärmer gemäßigten und
subtropischen Landstrichen beider Hemisphären angebaut.
In jenen Klimagürteln findet er über weite Strecken die günstigsten Be-
dingungen für sein Wachstum: eine hohe Sommerwärme bei nicht allzu großen,
Aber ausreichenden Niederschlägen. Innerhalb dieser Gebiete bevorzugt er die
schweren, fetten Böden, wie sie die Anschwemmungsländer vieler Fluß-
niederungen, die Schwarzerde Südrußlands, die unverbrauchten Steppenböden
Australiens, Nord- und Südamerikas bieten. Als ehemalige Steppenpflanze ent-
wickelt er auf diesen trockeneren Steppenböden auch die feinsten Qualitäten,
den kleberreichen Hartweizen, der dem eiweißarmen, weniger gut backfähigen
Weichweizen der feuchtgemäßigten Zone vorgezogen wird.
In der Alten Welt erstreckt sich die Zone vorwiegenden
Weizenbaus im Bereich der genannten Klimastriche vom Atlan-
tischen bis zum Pazifischen Ozean. Sie fällt in Europa vorzugsweise
in die diesen Erdteil westöstlich durchziehende Lößzone und umfaßt
namentlich Frankreich, die Mittelmeerländer, Ungarn und das Schwarz-
erdegebiet Südrußlands. Von Deutschland gehört ihr noch der Süden,
namentlich der Südwesten an. Rußland baut vorwiegend Sommer-
weizen!, das übrige Europa fast ausschließlich Winterweizen. In
Asien sind dem Weizengürtel Vorderasien, Nordindien, Nordchina, Japan
und die Mandschurei und jenseits des innerasiatischen Wüstengürtels
noch Südsibirien zuzurechnen. Von den asiatischen Ländern führt Britisch-
Indien beträchtliche, anscheinend jedoch langsam abnehmende Mengen
aus, Das Kerngebiet der ganzen eurasischen Zone aber liegt im Norden
und Westen des Schwarzen Meeres und umfaßt als den größten Produ-
zenten Südrußland (die Ukraine), ferner Bulgarien und Rumänien.
Da alle drei Gebiete auch wichtige Weizenausfuhrländer sind, so bilden
sie als pontische Kornkammer die bedeutendste Weizenkammer der
Alten Welt. An zweiter Stelle hinsichtlich der Weizenerzeugung stehen
ünter den Staaten Europas Frankreich und Italien, doch sind beide
Länder trotzdem noch auf Einfuhr erheblicher Mengen angewiesen,
Im Norden der Neuen Welt liegen die großen Weizengebiete im
nördlichen Teile der Union und im südlichen Kanada. Der Sommer-
weizen findet die günstigsten Bedingungen in dem Raum zwischen den
Großen Seen und dem Felsengebirge. Hier breiten sich unermeßliche
Weizenfelder namentlich in den nördlichsten Präriestaaten der Union,
Nord- und Süd-Dakota, und in den angrenzenden kanadischen
Provinzen Manitoba, Saskatschewan und Alberta aus (Abb 1). Aus
dieser nordamerikanischen Kornkammer erhält der Weltmarkt sehr
beträchtliche Mengen. Aber während die Union nur einen verhältnis:
1 Die dünne Schnecedecke gewährt in den harten Wintern dem Winterkorn nicht genügend
Wärmeschutz.