Full text: Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

III 
zur Ertragssteigerung besonders für Unternehmungen mit marktbeherr 
sehender Stellung liegen. Wird die zukünftige Ertragssteigerung als Basis 
der Kapitalisation genommen, so sind weite Grenzen gegeben. Je opti 
mistischer die einzelnen Faktoren, von denen der Ertrag abhängt, einge 
schätzt werden, desto mehr wächst der spekulative Charakter der Finan 
zierung, verliert sie den realen Boden, wandelt sich die Kapitalisation in 
Überkapitalisation. Wo aber die Grenze zwischen beiden, wo die sogenannte 
Verwässerung des Kapitals beginnt, ist kaum im voraus zu sagen. 
Wann liegt Überkapitalisation vor? Vergrößert ein Unternehmen 
seine Aktienmenge, sagen wir einmal, durch Verteilung neuer Aktien an die 
bisherigen Aktionäre, nur in der Absicht, seine hohe Rentabilität zu ver 
decken, durch Verrechnung des gleichen Ertrages auf eine größere Aktien 
zahl eine geringere Verzinsung vorzutäuschen, so liegt die Kapitalverwäs 
serung klar zutage. Dieses Ziel kann auch erreicht werden, indem der 
Ausgabekurs der neuen Aktien eines Unternehmens im Verhältnis zur 
Höhe der bezahlten Dividenden wesentlich zu niedrig angesetzt wird. 
Ebenso scheint eine Überkapitalisation bei einem neu errichteten Unter 
nehmen verhältnismäßig leicht festzustellen zu sein. Entsprechen die Er 
werbskosten des Grund und Bodens den üblichen Verkaufspreisen der 
Gegend und die sämtlichen Bau- und Maschinenkosten den herrschenden 
Marktpreisen, so werden alle Effektenmassen, die jene Kosten und die 
notwendigen Betriebskapitalien überschreiten, als Verwässerung bezeichnet. 
Wie aber ist die Sachlage zu beurteilen, wenn dem Unternehmen aus 
irgendwelchen Gründen das Kapital nicht so willig zufloß, wenn es z. B., 
um sich die nötigen Summen zu beschaffen, die Aktien unter Parikurs, 
folglich eine größere Effektenmasse ausgeben mußte ? Da die Summe der 
investierten und der zum Betrieb nötigen Kapitalien geringer ist als die 
Effektenmasse, liegt nach der üblichen Auffassung eine Kapitalverwässe 
rung vor. Dabei wird aber übersehen, daß die Beschaffungskosten des 
Kapitals ebensogut zu den notwendigen Ausgaben gehören, wie die Be 
schaffungskosten der Maschinen, des Landes usw. Sollen diese höheren 
Beschaffungskosten des Kapitals die Überkapitalisation des Unternehmens 
begründen, dann muß man z. B. auch die besonders hohen Aufwendungen 
für die Beschaffung der Maschinen zur Zeit einer Hochkonjunktur, oder 
die zu den sonstigen Bodenpreisen in keinem Verhältnis stehenden Kosten 
für die Erwerbung eines Grundstückes, das zur Betriebserweiterung un 
bedingt notwendig ist, aber vom zähen Bauer billiger nicht abgegeben wird, 
in der gleichen Weise bewerten und das Unternehmen als überkapitalisiert 
bezeichnen. Geht man aber soweit, dann verliert das Wort Überkapitali 
sation jede praktische Bedeutung. Schon brauchbarer ist die Unterschei 
dung zwischen notwendigen und nicht notwendigen Auslagen. Sie entspricht 
auch dem ersten Beispiel, in dem die Feststellung der Überkapitalisation
	        
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