Full text: Bevölkerungslehre

4, Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 1} 5 
Nürnberg (1449) 
Rostock (1594-—95) 
Münster (II. H. d, 16. Jahrh.) 
Basel (1452) 
Freiburg i. Schl. (1447/48) 
Durlach { Dora 
Zürich 1637 
Nach den Angaben Bothes!) waren zu Beginn des 16. Jahr- 
hunderts in Frankfurt a. M. von 0947 erwachsenen Steuerzahlern 
223 Frauen, neben 645 männlichen Haushaltungsvorständen gab es 
145 weibliche Haushaltungsvorstände. Beides läßt auf einen sehr er- 
heblichen Frauenüberschuß schließen. Man wird mit Bücher vor 
allem die größere Sterblichkeit des männlichen Geschlechts im 
Mittelalter zur Erklärung dieser Unterschiede heranziehen müssen. 
Sie beruhte nach Bücher namentlich auf den zahlreichen Fehden, 
den blutigen Bürgerzwisten, den gefahrvollen Handlungsreisen, aber 
auch auf der Unmäßigkeit der Männer bei jeder Art von Genuß. 
Auch in der Gegenwart haben viele Kulturstaaten einen beträcht- 
lichen Frauenüberschuß, der jedoch nur zum geringeren Teil auf der 
größeren Sterblichkeit des männlichen Geschlechts, als vielmehr darauf 
beruht, daß es sich hier um Auswanderungsstaaten handelt und daß die 
Männer in größerem Umfange als die Frauen an den Wanderungen 
beteiligt sind. Da im Mittelalter, nach dem vorhandenen Material 
zu schließen ?), bei der Zuwanderung in die Städte die männliche 
Bevölkerung überwog, so hätte die Wanderung in der Richtung 
eines Männerüberschusses wirken müssen. Um so stärker müssen 
dann die anderen Faktoren wirksam gewesen sein, welche das Ver- 
hältnis umgekehrt haben. Daß sich aus diesem großen Frauen- 
überschuß eine Frauenfrage in dieser Zeit ergeben mußte, hat 
man schon öfter hervorgehoben. Denn es kam noch hinzu, daß das 
Cölibat eine große Zahl von Geistlichen der Ehe entzog und daß 
die Zünfte vielfach ihren Gesellen das Heiraten verboten oder er- 
schwert haben. Zahlreiche Frauenklöster und Beguinenanstalten 
bildeten damals die Zuflucht für jene Frauen, die zu keinem eigenen 
Heim gelangen konnten. Was wir aus jener Zeit über den Familien- 
stand wissen, ist so dürftig, daß an dieser Stelle nicht besonders 
darauf eingegangen zu werden braucht. So weit sich etwas darüber 
1) F. Bothe, Beitr. z. Wirtschafts.- u. Sozialgesch. d. Reichsstadt Frankfurt a. M., 
1906, S. 55. 
?*) Nach Roller, a, a. O., S. 23, sind nach Durlach in d. Zeitraum von 1700 
bis 1800 rund 19%. mehr Männer als Frauen eingewandert.
	        
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