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Erster geschichtlicher Teil
Demgegenüber waren in Preußen in dem Jahrzehnt 1891—1900
die Sterbekoeffizienten für die vier betrachteten Altersklassen 0,36,
0,70, 1,84 und 7,39. Man sieht, die Sterblichkeit der deutschen
Kaiserhäuser war im Mittelalter ganz gewaltig hoch, etwa 3 mal so
hoch wie bei der gesamten preußischen Bevölkerung in dem ge-
nannten Jahrzehnt. Allerdings sind die Grundzahlen recht gering,
aber Prinzing hat wohl mit Recht darauf hingewiesen, daß
für die annähernde Brauchbarkeit dieser Ziffern doch die Tatsache
spricht, daß die Unterschiede in der Sterblichkeit bei beiden Gruppen
sehr gering sind. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, daß die
Angehörigen der Kaiserhäuser gegenüber der übrigen Bevölkerung
damals unter besonders günstigen allgemeinen und hygienischen
Lebensbedingungen standen. Auch für die folgenden Jahrhunderte,
für die sich bei Kemmerich und Prinzing das Material wieder-
gegeben findet *), ist die Sterblichkeit in den deutschen Kaiserhäusern
noch sehr hoch, wenngleich sich eine gewisse Besserung feststellen
läßt. Für das eigentliche Mittelalter stehen über das Gesagte hinaus
so gut wie keine allgemeinen Sterbeziffern zur Verfügung.
Burckhardt?) hat die Familienregister einer schweizerischen
Familie veröffentlicht. Es ergibt sich auf Grund der Verhältnisse in
313 Hausständen, daß von 1000 Geborenen vor Erreichung des
t6. Lebensjahres gestorben sind:
im 16. Jahrhundert 29,0
» 474 » 32,0
= 38. » 35,0
3» 19 5 18,0
Mit dem bereits erwähnten starken periodischen Wechsel in der
Höhe der Sterblichkeit steht auch das unregelmäßige Wachstum
der städtischen Bevölkerung in engem Zusammenhang. Das eine
Jahr übersteigt die Zahl der Todesfälle ganz erheblich die Zahl der
Geburten, das andere Jahr ist das umgekehrte der Fall. In Frank-
furt a. M.?) betrug die Zahl der
in dem Jahre Geborenen Gestorbenen in dem Jahre Geborenen Gestorbenen
1603 830 726 1608 So2 524
1604 789 589 1609 787 639
1606 758 1195 1610 716 906
1607 84 1008 1617 »406 1126
N Prinzing u Kemmerich, a. a. O. u. ferner Roller. Die Lebensdauer
d. Geschlechter des ausgehenden Mittelalters in Deutschland, Klinik f. psycholog. u.
nervöse Krankheiten, Bd. 7, 1912.
?) A. Burckhardt, Über Kinderzahl u, jugendliche Sterblichkeit in früheren
Zeiten, Zeitschr. f. schweiz. Stat., Bd. 2.
3) Bothe, a. a. O., S. 146.