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Geburtenzahl drohende Gefahr einer Übervölkerung und die sich
daraus ergebenden Folgeerscheinungen Hungersnot und Armut, wenn
auch nicht beseitigen, so doch erheblich zu mildern vermochten“ ?).
Es liegt ja auch auf der Hand, daß da, wo nicht beträchtliche Fortschritte
im Ackerbau gemacht werden und wo dem ländlichen Geburtenüberschuß
nicht die Einwanderung in die Städte reibungslos
die Gründung einer neuen Existenz ermöglicht, solche Schwierigkeiten
auftauchen müssen. Denn schon die Teilung der ländlichen
Güter im Erbgang muß sich im Hinblick auf die dadurch verursachte
schwierige Lebenslage der bäuerlichen Bevölkerung als
Übervölkerungserscheinung auswirken. Wir werden auch noch
sehen, daß deshalb dieses Zeitalter keineswegs so restlos sein Ideal
in einer schrankenlosen Volksvermehrung gesehen hat, wie man
vielfach anzunehmen pflegt.
Erster geschichtlicher Teil
4. Die Anschauungen über die Bevölkerung bis zum
Auftreten von Robert Malthus.
Die Äußerungen, die uns im Mittelalter über die Fragen von
Bevölkerung und Wirtschaft begegnen, sind äußerst dürftig und
keineswegs gleichartig. Einige Äußerungen liegen von Kirchenvätern
und Kirchenlehrern vor. Tertullian (160 bis ca. 220)
schreibt in seinem Werke „De anima“: „Der Erdkreis wird mit
jedem Jahre angebauter und: kultivierter als vorher. Schon ist alles
wegsam, alles erforscht, alles geschäftig; früher berüchtigte Einöden
sind durch anmutige Landgüter verdrängt, Wälder durch Saatfelder
gebändigt, das Wild durch Herden ersetzt, Felsen geebnet,
Sümpfe ausgetrocknet, so viel Städte, wie einst nicht Hütten. Schon
liegen die Inseln nicht mehr wüst und die Klippen schrecken nicht;
überall Häuser, überall ein Volk, überall ein Staat, überall Leben!
Am deutlichsten spricht die Menge der Menschen. Wir überlasten
die Welt; kaum genügen uns die Elemente; die Bedürfnisse pressen
uns und die Klagen bei allen, weil uns die Natur schon nicht mehr
erhalten kann. Wahrhaftig, man muß Pest und Hungersnot, Kriege
und Erdbeben für Heilmittel halten, gleichsam für ein Beschneiden
der ins Kraut schießenden Menschheit“ ®. Cyprianus (ca 200 bis
% Schnyder, a. a. O., S. 111.
2) Nach d. Übersetzung von Seeck, „Untergang“, a. a, O., Bd. 1, 1897, S. 411.
— Es besteht dabei eine Meinungsverschiedenheit, ob sich diese Stelle auf d. ganzen
Erdkreis oder nur auf Tertullians afrikanische Heimat bezieht. Vgl. dazu Th. Sommerlad.
Das Wirtschaftsprogramm d. Kirche im Mittelalter, 1903, S. 53ff.