Full text : Bevölkerungslehre

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Erster ‚geschichtlicher Teil

nicht der Mangel an Fortpflanzungsfähigkeit, sondern die Lage der
Menschheit, die es bewirke, daß die Menschen an Zahl nicht
stärker zunehmen. Zu diesen Hinderungsgründen hat er auch die
Einhegungen gerechnet, weil sie der Entwicklung der Landwirtschaft im
Wege stehen. Eine zweite im Jahre 1761 erschienene Schrift „Various
prospects of mankind, nature and providence“, trägt dagegen einen ganz
anderen Charakter. Mit dieser Schrift hebt ein Gegensatz in der
Beurteilung der Beziehungen von Wirtschaft und Bevölkerung an,
der noch bis heute kein endgültiges Ende gefunden hat. Wallace
nimmt in diesem Buche zu den zahlreichen, bis dahin erschienenen
Vorschlägen Stellung, die auf eine Neugestaltung der Gesellschaft
auf der Grundlage des Gemeineigentums hinzielen. Er steht diesen
Vorschlägen freundlich gegenüber, er verwirft das Gemeineigentum
am Boden und Ähnliches keineswegs als ideales Gesellschaftssystem,
aber er sieht in einer solchen Änderung der gesellschaftlichen
Ordnung kein Mittel, das soziale Elend zu beseitigen. Denn es
wäre auf diese Weise nicht möglich, den notwendigen Zwiespalt
zwischen Volksvermehrung und Menge der Nahrungsmittel aus der
Welt zu schaffen; vielmehr würde gerade unter solch neuen Verhältnissen
 das Volkswachstum noch mehr zunehmen und zwar in
einem solchen Ausmaße, daß schließlich ein Mangel an Lebensmitteln
 einträte, der alle sozialen Reformen illusorisch machen würde.
Für Wallace ist also das Volkswachstum ein ausschlaggebendes
Argument gegen die Bestrebungen des Sozialismus, die Lage
unter den Menschen zu verbessern. Mit diesen Überlegungen beginnt
 der Streit, ob man es bei der Bevölkerungsfrage mit einem
wirtschaftlichen oder mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun
habe, ob es im tiefsten Grunde auf der Produktions-, oder auf der
Verteilungsseite beruhe.
Von zwei Seiten namentlich ist in den folgenden Jahren dieser
Auffassung von Wallace entgegengetreten worden. Im Jahre ı 793
erschien W. Godwins großes Werk „Inquiry concerning political
justice and its influence on general virtue and happiness“. In diesem
Buche, das die Grundlage des Anarchismus geworden ist, vertritt
Godwin, wie alle Gesellschaftsreformer, die Meinung, daß eine
andere, auf Freiheit beruhende Gesellschaftsordnung unbedingt die
menschliche Wohlfahrt verbürge. In diesem Buche hat sich Go/d win
auch mit den Anschauungen von Wallace auseinandergesetzt,
Er führte dagegen aus, daß dreiviertel der bewohnten Erde noch
unbenützt dalägen. „Die schon besiedelten Teile sind imstande“,
so meint er, „noch ungezählte Menschen aufzunehmen. Mryriaden
            
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