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Erster geschichtlicher Teil
gewiesen, daß die Malthussche Lehre in ihren Grundgedanken nichts
weniger als neu und originell sei. Das trifft in wesentlicher Hinsicht
zu. Wir haben bereits oben eine ganze Reihe seiner Vorläufer
kennen gelernt und Malthus hat selbst in der zweiten Auflage
seines Werkes auf sie hingewiesen. Aber Malthus hat doch mehr
geleistet, als bereits Vorhandenes noch einmal zu sagen und zu
wiederholen. Er hat als erster das Problem systematisch behandelt
und er war auch der erste, der die Bedeutung des Volkswachstums
für die soziale Frage seiner Zeit zu erkennen glaubte.
Dietzel hat durchaus zutreffend die Leistung von Malthus mit
den Worten charakterisiert: „Die verschiedenen Gedankenrichtungen
faßt dann Malthus nicht eklektisch, sondern schöpferisch und mit
schärfster Betonung der sozialpolitischen Konsequenzen zusammen“ ?).
Bei Malthus findet sich auch als ganz wesentlicher Bestandteil
seiner Bevölkerungslehre zum. erstenmal das Gesetz. vom abnehmenden
Bodenertrag. Das gilt allerdings noch nicht von
der ersten Auflage, die ja lediglich Kampfschrift war, aber in‘ den
folgenden Auflagen ist deutlich davon die Rede. Schon der Italiener
Serra, auch Steuärt, Ortes und Turgo t haben dieses Gesetz
gekannt, aber sie haben es noch nicht in Zusammenhang mit dem
Bevölkerungsproblem gebracht ?). Auch Malthus hat den Namen
dieses Gesetzes noch nicht ausdrücklich gebraucht, aber seine
Äußerungen zeigen deutlich, daß ihm die Zusammenhänge bekannt
waren, die das Gesetz enthält und daß er auf ihnen aufgebaut hat.
So sagt er einmal im Hinblick auf England: „Wenn man zugibt,
daß die durchschnittliche Produktion der Insel bei der bestmöglichen
Politik und der größten Förderung der Landwirtschaft in den ersten
25 Jahren sich verdoppeln ließe, so wird man wahrscheinlich eine
größere Zunahme voraussetzen, als mit Recht erwartet werden
kann. In den folgenden 25 Jahren läßt sich unmöglich eine vervielfachte
Produktion annehmen; dies würde unserer Kenntnis von
den Eigenschaften des Bodens vollkommen widersprechen. Die
Kultur unfruchtbarer Gegenden würde Zeit und Arbeit erfordern
und wer nur im entferntesten mit landwirtschaftlichen Gegenständen
vertraut ist, dem muß klar sein, daß in dem Verhältnis, wie die
Kultur sich ausdehnt, die Zunahme der früheren Durchschnittsproduktion
allmählich und regelmäßig abnehmen muß“. An anderer
!) H, Dietzel, Der Streit um Malthus’ Lehre. Festgaben f. A. Wagner,
1905, S. 87.
2) Vgl. dazu H, Black, Das Gesetz d. abnehmenden Ertrages bis J. St. Mill.
Annalen d. Deutschen Reiches, 1904, S. 146 ff.