Full text : Bevölkerungslehre

184

Erster geschichtlicher Teil

Alter befanden. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn wir
in dieser Zeit auch einem beträchtlichen Geburtenrückgang begegnen.
 Es kamen im Deutschen Reich auf 1000 Einwohner Ge-Jurten

In den Jahren

541

842
:843
844
845
‚346
847
848
‚840

37,94
39,12
37,50
37,34
38,85
37:42
34,61
34,71
20,68

n den Jahren
1850
[851
1852
1853
:854
:855
1856
180m

38,75
38,22
36,93
36,00
35,38
33,50
34,90
30,52

Um die Jahre 1847/48 und 1853/55 gehen Eheschließungen und
Geburtenzahlen in gleicher Weise zurück, wie damals die Auswanderung
 und die Sterblichkeit zunimmt ?). Darin lag eine starke
Hemmung des bis dahin in Deutschland ziemlich beträchtlichen
Volkswachstums. Es betrug die Volkszunahme im Deutschen Reich
in den Perioden 2)

1841—43 925 682 1850—52 783 707
1844—46 999 452 1853—855 191 933
1847—49 401 317 1856—58 861 220

Man sieht, wie stark in dieser Zeit repressive Hemmnisse
ein stärkeres Volkswachstum verhindert haben. Auch in anderen
suropäischen Staaten waren in dieser Zeit die wirtschaftlichen und
sozialen Verhältnisse höchst unerfreulich. England war in den
Jahren 1819, 1825, 1836, 1830, 1847 und 1857 durch schwere Wirtschaftskrisen
 heimgesucht worden, welche die Lage der Bevölkerung
höchst ungünstig beeinflußt haben. Tugan-Baranowsky hat
gezeigt, daß die englische Bevölkerungsbewegung in dieser Zeit
davon ganz erheblich beeinflußt worden ist®). Im Jahre 1834 hatte
man in England unter dem Einfluß der Malthus’schen Lehren eine
strenge Reform des Armengesetzes durchgeführt, das vor
allem die Unterbringung der Armen in Werkhäusern, um sie zur
Arbeit anzuhalten, vorsah. Arbeiter, die keine Mittel zum Unterhalt
hatten, mußten mit ihren Familien ins Arbeitshaus wandern. Die
Folge war damals eine ganz erhebliche Abnahme der Eheschließungen,
ein Triumph für die Anhänger von Malthus. Zwar besserte sich

‘) Weitere Angaben darüber bei Mo mbert, Studien, a. a. O., S. 107 ff,
’) Nach: Stat. d. Deutschen Reiches, N. F,, Bd. 44, 1892.
’) Studien z. Theorie u. Geschichte d. Handelskrisen in England, 1901, 5. 288 ff,
            
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