Full text : Bevölkerungslehre

‚82

Erster geschichtlicher Teil

zur Verfügung steht, um die bisher nur allgemein dargelegten Beziehungen
 zwischen Wirtschaft und Bevölkerung zahlenmäßig zu beleuchten.
 Neben dem Einfluß der wirtschaftlichen und sozialen Zustände
 auf die Wanderbewegung, von dem schon die Rede gewesen
ist, kommen ist erster Linie deren Einwirkungen auf die Eheschließungen
 und Sterbefälle in Frage. In dem Maß, in dem solche
Einflüsse stattinden, werden damit auch Wirkungen auf das Wachstum
 der Bevölkerung ausgeübt. Gerade auch in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts hat man immer wieder den Zusammenhang
zwischen der Höhe der Sterblichkeit und der Höhe der Getreidepreise
 untersucht und gezeigt, welch enge Zusammenhänge hier vorhanden
 sind. Die folgende Tabelle, die Wappäus entnommen *)
ist, zeigt diesen Zusammenhang für Preußen.

Jahr

Auf einen
I Sterbefall kamen
Finwohner

Mittlerer Preis
für einen Scheffel
Roggen in Sgr.

1844 1:38,85 40%2
1845 1:36,73 51
1846 I: 34,05 70112
1847 ] 1:31,59 | 86% 12
1848 1:30,12 738%, a

Tahr

1849
1850
1851
1852
1853

Auf einen
Sterbefall kamen
Einwohner

Mittlerer Preis
für einen Scheffel
Roggen in Sgr.

1:32,74 3182
1:36,31 36% 12
1:37,82 49112
1:30,39 61% 2
1:32,76 | 68

Wappäus bemerkt dazu: „Dieser Zusammenhang zeigt deutlich
 die Abhängigkeit des Sterblichkeitsverhältnisses von den Preisen
der wichtigsten Nahrungsmittel“. Er betont auch, „daß die Wirkung
einer Steigerung der Preise sich nicht unmittelbar zeigen kann, indem
nicht. in dem Augenblick, wo das Brot teurer wird, auch die vermehrte
 Sterblichkeit bei den dadurch in Not kommenden eintritt,
sondern erst infolge von Krankheiten und aller Art Entbehrungen,
welche die große Masse der Bevölkerung in Zeiten des Mangels sich
auferlegen muß und deren Wirkung um so langsamer eintritt, je
mehr Ersparnisse unter diesen Klassen der Bevölkerung vorhanden
sind, nach Aufzehrung derselben aber auch um so intensiver sich
zeigt“. Den Einfluß einer solchen Zunahme der Sterblichkeit auf
das Volkswachstum erkennt man besonders deutlich, wenn man die
absoluten Zahlen betrachtet. Allerdings war es in diesen Jahren
nicht allein die Teuerung, welche die Steigerung der Sterblichkeit
bewirkt hat, auch zahlreiche Epidemien, z. T. durch die Notlage

') Nach J. E. Wappäus, Allgemeine Bevölkerungsstatistik, Bd. ı, 1859, S. 196.
— Vgl. dazu auch B. Weiß, Der Einfluß von teuren u. billigen Zeiten auf die
Sterblichkeit, 1880.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.