Full text : Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil

finden konnte. Nach der Berufszählung des Jahres 1907 stammten
in Deutschland von allen in den Städten lebenden Erwerbstätigen
in der Industrie 2,809 Millionen oder 48,5%, und im Handel
1,104 Millionen oder 19,1 % vom Lande. Der Übergang zur Industrie,
in der — wie wir später noch genauer sehen werden -— kein so
düsteres Ertragsgesetz herrscht, wie in der Landwirtschaft, in der
vielmehr unter gewissen Voraussetzungen und innerhalb gewisser
Grenzen der Mehrverwendung von Kapital und Arbeit steigende
Erträge entsprechen, hat damit den Nahrungsspielraum der europäischen
 Volkswirtschaften stark erweitern helfen. Zwar ist auch
diese günstige Entwicklung immer wieder durch Ausnahmen unterbrochen
 worden, die vor allem in Deutschland durch schwere Wirtschaftskrisen
 in erster Linie verursacht waren. Das war z. B. in
Deutschland als Folge der schweren Wirtschaftskrise in der Mitte
der siebziger Jahre fast noch das ganze Jahrzehnt 1880/90 der Fall.
Erst von da ab begann das deutsche Wirtschaftsleben — und ähnliches
 gilt auch von den anderen europäischen Staaten — den großen
Aufschwung zu nehmen, der hauptsächlich in der Abnahme der Auswanderung
 und der starken Zunahme des Volkszuwachses zum Ausdruck
 kommt. Es betrug in Deutschland im Durchschnitt der Jahre
Der Geburtenäberschuß

320 458
326 130
408 333
511034
351308
730 365
366 2238

Man sieht, in welchem Maße der Nahrungsspielraum der deutschen
Volkswirtschaft vornehmlich in den zwei letzten Jahrzehnten vor dem
Weltkrieg gestiegen sein muß. Dabei war das Volkswachstum in
Deutschland durchaus progressiv. Es betrug in den folgenden
Perioden

1865—1880 5,58 Mill.
1881—1895 294
1896—1910 12,8

Die progressive Zunahme gilt jedoch nicht für Deutschland
allein, sie gilt auch für ganz Europa. Es betrug das Wachstum der
europäischen Bevölkerung im Jahresdurchschnitt der folgenden
Perioden
            
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