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Erster geschichtlicher Teil
problem herangetreten ist. Es hängt das besonders damit zusammen,
daß die Faktoren, die auf die Größenverhältnisse, von Bevölkerung und
Wirtschaft einwirken, selbst verschiedenartig sind. Neben einer rein
aaturalistischen Betrachtung ist auch eine gesellschaftliche Betrachtung
möglich, um nur einstweilen auf diese Gegensätze hinzuweisen.
Il. Die Vertreter einer pessimistischen Anschauung.
Zunächst hat die Lehre von Malthus allenthalben warme Anhänger
gefunden. Wir haben auch gesehen, in welchem Maße
seine Lehren in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Gesetzgebung
beeinflußt haben. Freilich besteht unter den Anhängern der
Malthus’schen Lehre keine Gleichartigkeit in den Anschauungen über
den Grundcharakter des Problems selbst. Es ist oben schon auf
die Unterscheidung hingewiesen worden, die Oppenheimer hervorgehoben
hat, daß „heute etwas als Malthus’sche Theorie gilt, was
ihr nur äußerlich ähnlich, im Kern aber ihr entgegengesetzt ist“ 2).
Der Grundgedanke von Malthus ist ja der, daß die Bevölkerung
die beständige Tendenz hat, sich über die Menge der Nahrungsmittel
hinaus zu vermehren und daß es allein die repressiven Hemmnisse
sind, welche diese Tendenz nicht zur Geltung kommen lassen.
Nach seiner Lehre hat das Bevölkerungsgesetz dauernde Geltung
für die ganze menschliche Geschichte. Sein Werk beginnt auch
mit den Sätzen, daß es seine Aufgabe sei 1. die Ursachen zu erforschen,
die bisher den Fortschritt des Menschengeschlechts zum
Glück verhindert haben und 2. die Wahrscheinlichkeit der gänzlichen
oder teilweisen Entfernung dieser Ursachen für ‘die Zukunft
zu prüfen. Der gleiche Gedanke wird von Malthus immer und
immer wieder ausgesprochen ?)., „Diese Tendenz hat beständig die
Wirkung, die niederen Gesellschaftsklassen der Not zu unterwerfen
und eine große dauernde Verbesserung ihrer Lage zu verhindern.“
„Die beständige Tendenz zur Bevölkerungsvermehrung ... vermehrt
die Volkszahl, bevor die Unterhaltsmittel vermehrt sind“ 3). In seiner
Polemik gegen Condorcet sagt Malthus, „wenn das Verhältnis
zwischen der natürlichen Zunahme der Bevölkerung und der
Nahrungsmittel . .. irgendwie der Wahrheit nahekommt, so scheint
im Gegenteil die Periode, wo die Zahl der Menschen ihre Mittel zu
bequemer Subsistenz überschreitet, schon seit langer Zeit eingetreten
zu sein; und diese notwendige Schwankung, diese stets vorhandene
') F. Oppenheimer, Das Bevölkerungsgesetz, a. a. O., S. 66 ff.
? Malthus, a. a O,, S. I.
3 Malthus, a. a. OS. 16.