Full text : Bevölkerungslehre

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Volkswirtschaft, von der damaligen Übersetzung einzelner Berufe und
Erwerbszweige aus, um diese Erscheinungen auf eine vorhandene
Übervölkefung zurückzuführen. Er lehnt es ab, dafür eine vorhandene
Krise oder Depression zur Erklärung heranzuziehen. Ganz abgesehen
davon, daß darin, wie die Entwicklung der folgenden Jahre zeigte,
ein schwerer Irrtum lag, hat man Rümelin gegenüber auch schon
mit Recht hervorgehoben, er habe den Beweis dafür nicht erbracht,
daß die von ihm dargelegten ungünstigen wirtschaftlichen Zustände
 ihre Ursache in einer besonders starken Zunahme der Bevölkerung
 gehabt haben.
Bei Rümelin finden sich bereits starke Ansätze zu einer Anschauung,
 die später noch zu größerer Bedeutung gelangen sollte,
daß Deutschland immer weniger imstande sei, seinen Nahrungsmittelbedarf
 aus eigenem Boden zu gewinnen, und in seiner Versorgung
in steigendem Maße auf Zufuhren aus dem Ausland angewiesen sei.
Der Austausch von Rohstoffen gegen Fabrikate, die ausgeführt
werden, der aufsteigende Gegensatz von Agrar- und Industriestaat,
 wird von Rümelin gerade unter dem Gesichtspunkt von
Volkszahl und Nahrungsspielraum höchst ungünstig beurteilt. „Das
Nahrungsmittel exportierende Land wird selbst dichter bevölkert
werden und geringere Überschüsse für Fremde haben, während bei
diesem der Bedarf stetig anwachsen muß; ebenso wird es im gleichen
Verhältnis allmählig seine eigene Industrie weiter entwickeln und
damit den Import von Fabrikaten stetig mehr einschränken. Es
müssen durchaus unsichere, gespannte, im ewigen Wechsel begriffene
von fremdem Tun und Lassen abhängige Zustände entstehen“).
Einen ähnlichen Standpunkt wie Rümelin.nimmt A. Wagner
ein. Ihm haben wir in dieser Zeit die eingehendsten und gründlichsten
 Darlegungen über die Zusammenhänge von Bevölkerung
und Wirtschaft zu verdanken ?). Auch er stellt sich zunächst durchaus
 auf den gleichen Standpunkt wie Malthus, wenn er schreibt:
„Die große bleibende Bedeutung von Malthus liegt darin, daß er
jenen optimistischen Ansichten über den unbedingten Segen der
Volksvermehrung entgegentrat, die Kehrseite aufdeckte, den notwendigen
 Zusammenhang zwischen Volkszahl, Dichtigkeit, Vermehrung
 und Unterhalts-, speziell Nahrungsmitteln und deren Beschaffenheit
 und Vermehrung nachwies, die Gefahren aufzeigte,
welche notwendig aus einer Überholung der Nahrungsmittelver-Erster

 geschichtlicher Teil

* a. a. O., N. F., S. 589,
?) Grundlegung d. politischen Ökonomie, 3. Aufl., ı. Teil, 2. Halbbd., 1893,
4. Buch: Bevölkerung u. Volkswirtschaft, Agrar- u. Industriestaat, 2. Aufl., 1902.
            
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