Full text : Bevölkerungslehre

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7; Kap, Die Bevölkerungslehre in ihrer Entwicklung seit R. Malthus 219

zu drücken beginnt, sobald die bisher vorgeschriebenen Wege der
Existenzbeschaffung nicht mehr zu den neuen Anforderungen passen
wollen.“ .
Alle diese Erwägungen konnten sich auf geschichtlicher Erfahrung
 aufbauen. Dühring sagt jedoch mit Recht, daß die Lehre
von der Bevölkerungskapazität sehr unvollständig bleiben würde,
wollte man sie nicht auch bis dahin verfolgen, wo die Hauptentscheidung
 erst in der Zukunft liegt. Konnte man bis dahin seinen
Ausführungen restlos beistimmen, so. zeigen sich jetzt doch gewisse
Lücken in seinem Gedankengang. An Stelle der durchaus naturalistischen
 Bevölkerunglehre von Malthus setzt er eine fast rein
gesellschaftliche Theorie. „Die Roheit“, sagt er, „mit welcher an
die mannigfaltig verzweigten und durch die eigene Kräfteorganisation
bestimmbaren Lebensbedingungen ein von der äußeren Natur abhängiger
 Nahrungsvorrat gesetzt wird, kennzeichnet vielleicht am
meisten die volkswirtschaftliche Rückständigkeit der Malthus’schen
Denkweise,“ Dieser Einwand gegen Malthus enthält sehr viel
Richtiges. Freilich verfällt Dühring dann in den entgegengesetzten
Fehler, wie so viele andere Gegner des englischen Schriftstellers.
Wohl meint Dühring, daß es für die Theorie von besonderer
Wichtigkeit sei, die Möglichkeiten in Rechnung zu setzen, daß „die
Naturmittel für die Anwendung von weiterer, hinreichend ergiebiger
Arbeit keine Gelegenheit mehr bieten“. Er zieht auch den Fall in
Rechnung, daß hierbei keine Änderung des Wirtschaftssystems und
keine Verbesserung der technischen Mittel mehr helfen könne. Aber
seine Antwort kann nicht befriedigen; denn er geht diesen gefährlichen
 Möglichkeiten gegenüber nur von der Lage eines einzelnen
Landes aus und meint, daß in einem solchen Falle „die Ablenkung
der Wirtschaftskräfte nach außen das einzige Mittel“ sei, „eine Ökonomische
 Machtsteigerung“ auch ferner zu bewirken.
Darin liegt natürlich nur ein Ausweg vom Standpunkt eines
einzelnen Landes aus betrachtet. Was die gleiche Frage für den
„ganzen Planeten“ anlangt, so sieht hierbei Dühring als einziges
Aushilfsmittel „die bis dahin erprobten Grenzen der Lebensart beizubehalten
 und den Fortschritt nur in denjenigen Richtungen ‘zu
betreiben, deren Verfolgung von den Naturmitteln unabhängig ist“.
Allerdings nimmt er die Frage zu leicht, welches denn die Richtungen
sind, deren Verfolgung von den Naturmitteln unabhängig ist. Es
hängt das damit zusammen, daß er bei diesen Betrachtungen die
Bedeutung des Bodengesetzes völlig außer acht läßt. Darin
hat er Recht, daß die Menschheit am entschiedensten an sich selbst
            
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