Full text: Bevölkerungslehre

3. Kap. Der Nahrungsspielraum 387 
Ganzer eine Verbesserung erfahren. Es ist jedenfalls scharf zu unter- 
scheiden, ob nur das letztere der Fall ist oder ob der innenbedingte 
Teil des Nahrungsspielraumes eine Vergrößerung erfährt. Das letztere 
ist in der Hauptsache nur dann der Fall, wenn es sich um Ände- 
tungen in der Produktion handelt, die geeignet sind, die Lebensnot- 
wendigkeiten eines Landes in höherem Grade als zuvor aus dem 
eigenen Boden zu gewinnen, 
Es ist eben gesagt worden, daß Produktionsverbesserungen die 
lediglich kostenverbilligend wirken, wohl den Nahrungsspielraum in 
seiner Gesamtheit günstig beeinflussen, aber keineswegs zu einer 
Stärkung des innenbedingten Teils führen müssen. Dazu. ist eine 
Einschränkung zu machen, da unter Umständen auch das letztere 
eintreten kann. Das ist dann der Fall, wenn es auf diese Weise 
durch technische und wirtschaftliche Verbesserungen gelingt, der 
Landwirtschaft billigere Produktionsmittel und billigere Produktions- 
bedingungen zu schaffen. Soweit das der Fall ist, bedeutet dies 
einen gewissen Ausgleich gegen das Bodengesetz, weil dann die 
Landwirtschaft in der Lage ist, auch ohne Erhöhung der Kosten 
die Roherträge zu steigern. Allerdings kann auch gleichzeitig eine 
Ausweitung des Innenmarktes, wenn sie nicht vorwiegend auf einer 
Mehrerzeugung von Bodenprodukten, sondern auf Verbesserungen 
in den weiterverarbeitenden Gewerben beruht, zu einem Anwachsen 
und einer Stärkung der Außenwirtschaft, d. h. des außenbedingten 
Teiles des Nahrungsspielraumes führen, wie es Eulenburg betont 
hat?. Es sind hier die verschiedensten Möglichkeiten vorhanden 
und es kommt in erster Linie darauf an, auf welchen Faktoren die 
Ausweitung des Innenmarktes beruht. 
Wenn es also nach dem Gesagten keinem Zweifel unterliegen 
kann, daß z. B. ein Land in der Lage Deutschlands den innen- 
bedingten Teil des Nahrungsspielraumes auch unter wirtschaftlichen 
Gesichtspunkten auszudehnen imstande ist, so sind dieser Ausdehnung 
doch bestimmte Grenzen gezogen. Wie groß aber auch die Fort- 
schritte bisher in dieser Hinsicht gewesen sind, und wie groß sie 
auch noch in Zukunft sein werden, so sind ihnen doch, vor allem 
auch aus wirtschaftlichen Gründen, gewisse Grenzen gezogen. Bei 
fortdauernd steigender Volkszahl muß die Bevölkerung immer mehr 
über den innenbedingten Teil des Nahrungsspielraumes hinaus- 
wachsen, ganz gleichgültig, wie die Besitzverteilung in einem Lande 
9) Eulenburg, Außenhandel u. Handelspolitik, Grundriß d. Sozialökonomik, 
R. Abt. 1020, S. 70/71.
	        
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