Full text : Bevölkerungslehre

3. Kap. Das Altertum

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nutzung des Bodens Hand in Hand ging, wenn auch die Bergabhänge
durch Terrassenbauten kulturfähig gemacht und sumpfige Talebenen
durch Entwässerungsarbeiten trocken gelegt wurden !), so konnten
doch auf die Dauer solche Mittel keine genügende Abhilfe schaffen.
Die Gesetzgebung Solons hatte die Aufgabe, dem Bauernstand,
der auf diese Weise immer mehr verschuldete, zu helfen.
Diese Entwicklung auf dem Lande, die sich in erster Linie aus
dem Volkswachstum ergab, mußte auch ihre Wirkung in den Städten
ausüben. „Der kleine Parzellenbesitzer, Pächter, Landarbeiter, der
sich den Nahrungsspielraum in der Landwirtschaft beengt sah, zog
sich in die Städte, um hier lohnenden Erwerb zu suchen. Eine
Hoffnung, die nur allzu oft getäuscht ward. Denn dieser Zuzug
vom Lande vermehrte das Angebot von Arbeitskräften und drückte
auf die Löhne ... Er vermehrte die arbeitsfähige Armut in den
Städten, die Masse des unbeschäftigten Proletariats, das zur Verschärfung
 der sozialen und politischen Gegensätze so gewaltig beigetragen
 hat”).“ Dabei entstand diesen freien Arbeitern in den
vom siebenten Jahrhundert ab an Zahl immer mehr zunehmenden
Sklaven eine deren Lebenshaltung schwer beeinträchtigende Konkurrenz.,
 Es ist auch eine Zeit steigender Lebensmittelpreise, was
die ungünstige Lage der freien Arbeiterschaft, denen es auch gegenüber
 der Sklavenkonkurrenz an genügender Arbeitsgelegenheit fehlte,
ıoch verschlimmern mußte.
Als Ventil für diesen Menschenüberfluß entstanden um die
Mitte des fünften Jahrhunderts die Kleruchien; ganze Gruppen
von Bürgern wurden in fremde Gebiete verpflanzt — eine Art von
zwangsweiser Auswanderung — in denen vielfach, um Raum zu
schaffen, die eingeborene Bevölkerung vertrieben wurde. Bei Plutarch
 lesen wir von Perikles: „Überdies schickte er 1000 Bürger
als Kolonisten nach der Chersones, 500 nach Naxus, halb so viel
nach Andrus, 1000 nach Thrakien ... und noch andere nach Italien...
Seine Absicht dabei war, die Stadt von einem arbeitslosen und
deswegen untuhigen Gesindel zu entledigen, der Not des Volkes
abzuhelfen ®)“ .,, Isokrates spricht davon, daß denen Wohnsitze
gegeben werden müßten, „welche jetzt aus Mangel an den täglichen
Bedürfnissen umherirren und was ihnen aufstößt, zugfunde richten.
Denn wenn wir ihrer Anhäufung nicht ein Ziel setzen. indem wir
1) Beloch, Geschichte, Bd, 1, S. 303.
2) R. v. Pöhlmann, Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in
der antiken Welt, 2. Aufl., 1912, Bd. ı, S. 261/62,
%“ Plutarch, Perikles, 11. Reklam-Ausgabe,
Diehl-Mombert. Grundrisse. Bd. ıs.
            
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