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Um die Mitte des vierten Jahrhunderts war in Athen die Frage der
Ernährung des Demos, die Frage, wie es anzustellen wäre, daß alle
Bürger genügenden Lebensunterhalt hätten, zu einem brennenden
und vielerörterten Problem geworden“ V). Im „Perikles“ hebt Plutarch
hervor, daß dessen große Bauten vor allem auch dazu dienen sollten,
dem Volke Arbeit zu verschaffen und es vor dem Müßiggang zu
bewahren.
3: Kap Das Altertum
Auf diesem Boden haben sich dann jene Partei- und sozialen
Gegensätze entwickelt, von denen wir in jener Zeit allenthalben in
Griechenland hören”). Der immer mehr zunehmende Gegensatz
zwischen Reich und Arm führte zu Forderungen, die auf eine Aufteilung‘
des Besitzes hinzielten. Aus diesen Problemen und Gegensätzen
heraus sind dann jene staatswissenschaftlichen Theorien und
Gedankengebäude entstanden, die vor allem an die Namen von
Platon und Aristoteles anknüpfen und in denen, wenn auch
z. T. nur mittelbar, zu den Zusammenhängen von Bevölkerung und
Wirtschaft Stellung genommen worden ist.
In seiner „Politeia“ hat Platon den nach seiner Meinung besten
Staat, in seinen „Gesetzen“, einem späteren Werke, das einen wesentlich
realistischeren Charakter trägt, einen zweitbesten Staat dargestellt.
Es ist hier nicht der Ort, eingehender auf Sinn und Bedeutung dieser
Werke einzugehen ®)., Platon kam es im wesentlichen darauf an,
von allgemein gesellschaftlichen und ethischen Gesichtspunkten aus,
die für jene Zeit untrennbar miteinander verbunden waren, ein
ideales Staatsgebilde aufzustellen, das im Gegensatz zu dem, was in
seiner Zeit bestand, eine innere Harmonie verkörperte. Damit diese
Zeit nicht einer inneren Auflösung zerfällt, soll eine bestimmte
Agrargesetzgebung den Familien die Grundlage ihrer Existenz sichern,
und deshalb wird auch die Zahl der Familien nach obenhin begrenzt.
Erbe des väterlichen Gutes darf immer nur ein Sohn werden. Andere
Söhne Sollen kinderlosen Vätern zugeteilt oder — wenn sich ein
Überschuß ergibt — in die Kolonien entsandt werden. Wird dagegen
die festgesetzte Zahl an Söhnen nicht erreicht, so soll ihre
Zahl durch Fremde auf die erforderliche Höhe gebracht werden.
Es ergibt sich aus den Darlegungen Platons, daß er sich durchaus
') Busolt, a. a. O., S. 207 ff,
?) Vgl. dazu die genannten Werke von Busoldt und Pöhlmann, ferner
J. Sundwall, Epigraphische Beiträge zur sozialpolitischen Geschichte Athens“ im
Zeitalter des Demosthenes, Klio, 4. Beiheft, 1906.
®) Vgl. dazu vor allem: Wilamowitz-Möllendorf, Platon, 1920 und
E. Salin, Platon und die griechische Utopie, 1021.