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Dritter Teil
eben dann immer wieder gesellschaftliche Kräfte sind, die imstande
sind, die Wirksamkeit dieser naturalistischen Faktoren zurückzudrängen.
So hat das Bevölkerungsproblem zwei Seiten: eine naturalistische
und eine gesellschaftliche. Die Prognose für die weitere
Entwicklung hängt, vom Standpunkt der Wirtschaft aus gesehen,
davon ab, welche Kräfte in Zukunft die stärkeren sein werden.
Es ist eben ausdrücklich ausgesprochen worden: vom Standpunkt
der Wirtschaft aus. Denn wir dürfen bei diesen Fragen auch
die Änderungen nicht vergessen, die sich im Volkswachstum selbst
vollziehen. Hier können wir ja in allerneuester Zeit die stärksten
Wandlungen beobachten, mit denen Malthus weder gerechnet hat,
noch rechnen konnte. Denn soweit Malthus an eine Einschränkung
der Volksvermehrung dachte, hatte er nur die Enthaltung von der
Ehe, bzw. ihre Eingehung in einem späteren Alter, keineswegs eine
künstliche Verminderung der Geburten und bewußte Kleinhaltung der
Familie vor Augen. Die letzteren Mittel verwarf er durchaus. „In
der Tat“, so sagte er einmal, „werde ich stets alle künstlichen Mittel,
die Bevölkerung zu hemmen, verwerfen, sowohl wegen ihrer Unsittlichkeit,
als auch wegen ihrer Tendenz, dem Fleiß den notwendigen
Sporn zu entziehen. Wenn jedes Ehepaar die Zahl seiner Kinder
nach Wunsch beschränken könnte, so wäre sicherlich zu befürchten,
daß die Indolenz des Menschengeschlechts sehr stark zunehmen und
weder die Bevölkerung einzelner Länder, noch die der ganzen Erde,
jemals ihren natürlichen und richtigen Umfang erreichen würde.
Allein die Einschränkungen, die ich empfohlen habe, sind ganz
anderer Art“).
Demgegenüber zeigt nun freilich die neueste Entwicklung der
Bevölkerung eine grundlegende Wandlung. Der Rückgang der
Fruchtbarkeit im letzten Menschenalter und ihr besonders starker
Absturz in den letzten Jahren stellen einen Faktor dar, der von
großer Bedeutung für die weitere Gestaltung der Zusammenhänge
7on Bevölkerung und Wirtschaft sein kann.
In manchen ihrer Vertreter hatten auch schon ältere Schriftsteller
mit einem solchen Rückgang der Geburten gerechnet, z. T.
schon als Ergebnis des menschlichen Willens, z. T. als Folge eines
Rückgangs der Fortpflanzungsfähigkeit. Wo das erstere der Fall
war, hatte man in einem Rückgang der Fruchtbarkeit die Folge
einer objektiven Verengerung des Nahrungsspielraumes, also
eine Reaktion der Menschen auf eine Verschlechterung der Lebens-!)
Naeh d. Übers, von Stöpel, S. 816.