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Dritter Teil
Diese Maßnahmen zur Einschränkung des Volkswachstums
werden heute von vielen zum System erhoben. So hat neuerdings
ein amerikanischer Gelehrter ausgeführt: „Eine vernunftgemäße Ge-
burtenkontrolle ist ein ebenso fundamentales Bedürfnis der Nation,
wie die Erhaltung der Hilfsquellen, gerechte Gesetze und gesunde
soziale Sitten. Sie ist sogar mehr; sie ist der Eckstein, der die
anderen zusammenhalten muß . .. Es ist keine Lösung der Schwierig-
keit, wenn man sich bemüht, die Nahrungsmenge zu heben und da-
neben die Individuen, die die Erde ernähren soll, vermehrt. Das
Gefäß ist wohl elastisch, aber es ist doch ein geschlossenes Gefäß.
Eine gesteigerte Leistungsfähigkeit und kluge Erhaltung der Quellen
sind nur dann ein Mittel zur Hervorbringung größerer Glückseligkeit’
wenn die Volkszahl konstant bleibt“ ).
Das Ziel dieser Bestrebungen geht dahin, daß die Zunahme der
Volkszahl hinter der Ausweitung des Nahrungsspielraumes zurück-
bleibt, daß also die Einschränkung des Volkswachstums vor sich
geht, ohne daß dabei eine objektive Knappheit der Unterhaltsmittel
als Ursache in Frage kommt. Wir haben gesehen, daß einer der
entscheidenden Faktoren bei dem neuzeitlichen Geburtenrückgang
das Streben nach einem besseren „sozialen“ Nahrungsöpiel-
raum ist, weil man den vorhandenen als zu gering empfindet. Daß
eine Verlangsamung des Volkswachstums oder gar eine Stagnation
desselben, die auf solche Weise vor sich geht, die Wirkung haben
kann, daß das Volkswachstum hinter dem Wachstum des Nahrungs-
spielraumes zurückbleibt, kann in der Tendenz keinem Zweifel unter-
liegen. Soweit dies dann der Fall ist, ist dadurch bei den Zusammen-
hängen zwischen Wirtschaft und Bevölkerung der ursprünglich ganz
überwiegend naturalistische Charakter zurückgedrängt worden und
hat in entscheidendem Maße gesellschaftlichen Faktoren Platz ge-
macht. Damit wäre dann die Formulierung des Bevölkerungs-
gesetzes, wie es von Malthus aufgestellt wurde, endgültig erledigt.
Sein Grundgedanke war ja immer der, daß die Menschen bestrebt
sind, den vorhandenen Nahrungsspielraum auszufüllen.
Damit wäre auch das Bevölkerungsproblem in dem Sinne eines
„prophetischen“ Malthusianismus, der für die Zukunft mit der Ge-
fahr einer Übervölkerung rechnet, aus der Welt geschafft. Denn
von einer derartigen Gefahr könnte man nicht mehr sprechen,
wenn das Wachstum der Bevölkerung dauernd hinter dem des
Nahrungsspielraumes zurückbleiben würde. Daß dabei die Verhält-
‘) East, a. a. O., 5. 206 u. 355.