Ergebnisse
477
nisse verschieden liegen, je nachdem man an diese Frage vom
Standpunkt eines einzelnen Landes oder von dem der gesamten
Erdbevölkerung herantritt, bedarf nach dem oben darüber Gesagten
keiner besonderen Hervorhebung.
Freilich sind mit dem bis jetzt darüber Gesagten die dann
möglichen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Bevölkerung
noch keineswegs erschöpft. War doch die Voraussetzung der bis-
herigen Darlegungen immer die, daß bei einer Fortdauer der Ge-
burtenregelung und bei langsam wachsender oder stagnierender
Volkszahl der Nahrungsspielraum rascher wächst als die Volkszahl
und weiter an Umfang zunimmt. Das kann so sein, muß aber
nicht so sein. Wenn man hierbei ganz von außenpolitischen Er-
wägungen absieht, die hierbei für jeden einzelnen Staat stets eine
wesentliche Rolle spielen können und wenn man nur die rein wirt-
schaftlichen Zusammenhänge betont, so muß man sich der Tat-
sache erinnern, daß in aller Geschichte das Volkswachstum wohl
die stärkste Triebkraft allen wirtschaftlichen und technischen Fort-
schrittes war. Wir müssen durchaus die Möglichkeit ins Auge
fassen, daß in den Kulturstaaten einmal ein Rückgang der Volks-
zahl stattfinden kann. Schon Bortkiewicz hat vor Jahren darauf
hingewiesen, „daß das neomalthusianische Mittel gegen Übervölke-
rung zu einer Überspannung führen kann, wodurch die entgegen-
gesetzte Gefahr der Untervölkerung heraufbeschworen würde“ 9),
Meine „Studien zur Bevölkerungsbewegung in Deutschland“ habe
ich im Jahre 1907 mit dem Satze geschlossen: „Vielleicht wird man
in nicht allzu ferner Zeit den Kernpunkt der Bevölkerungsfrage
auch in anderen Ländern als in Frankreich weniger in einer zu
starken, als in einer zu schwachen Bevölkerungszunahme zu erblicken
haben“. Mit einer solchen Entwicklung könnten jedoch lähmende
Einwirkungen auf die Arbeitsenergie und den Fortschrittswillen der
Menschen selbst entstehen — Wandlungen, von denen, trotz der oben
gemachten Einschränkungen, Größe und Entwicklung des Nah-
zungsspielraumes nicht unbeeinflußt bleiben könnten, Auf solche
Gefahren hat Malthus in seinen eben zitierten Worten bereits
hingewiesen. Es ist demnach keineswegs So feststehend, daß die
Wünsche derer, die heute in einer weitgehenden Geburtenbeschrän-
kung das Allheilmittel erblicken, so restlos in Erfüllung gehen
müssen, wie sie glauben. ;
Es frägt sich überhaupt, worin das IdealderEntwicklung,
1) Bevölkerungstheorie, a. a. O., S. 4 Anm 9.