Full text : Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil

Zeit, die Zisterzienserklöster erworben ?). „Seit der Einwanderung
 der Bajuvaren bis zum 8. Jahrhundert war für die Vermehrung
 des anbaufähigen Bodens nichts Durchgreifendes geschehen.
Große Landstriche lagen wüst und waldbedeckt. Bevor man daran
denken konnte, veredelten Bodenbau in breiterem Umfang zu betreiben,
 galt es, Sümpfe auszutrocknen und Wälder zu roden, um
neues Ackerland zu gewinnen und Platz für neue Siedelungen. Nur
eine im Mönchstum großartig organisierte Arbeitskraft konnte damals
mit Aussicht auf raschen Erfolg die Kultivierung ganzer Länderstriche
wagen“ 2).

Freilich haben damals keineswegs allein die Klöster diese segensteiche
 Tätigkeit ausgeübt, den Nahrungsspielraum zu erweitern. Vor
allem Dopsch hat darauf hingewiesen ®), welche Rolle in dieser
Hinsicht auch den weltlichen Grundherrschaften zugefallen ist *), und
welche gesellschaftlichen Auswirkungen diese Kolonisationstätigkeit
gehabt hat. Denn es waren auch Arbeitskräfte nötig, um diese
Tätigkeit auszuüben. „Es gab aber ein Mittel, die vorhandenen
Arbeitskräfte wirksamer auszunutzen und deren Leistungskraft ganz
bedeutend zu steigern. Wenn man den Unfreien freiließ, ihm seine
Habe schenkte, war er durch das Interesse am eigenen Gewinn zur
Übernahme weiteren Herrschaftslandes und dessen Bebauung wohl
stets zu haben“. Damit erklärt Dopsch die große Masse von Freilassungen,
 der wir in dieser Zeit begegnen und soweit das zutrifft,
haben wir es mit wichtigen gesellschaftlichen Auswirkungen des
Volkswachstums zu tun. Denn wir können uns die gewaltige
Rodungstätigkeit dieser Epoche nicht vorstellen, ohne daß als Folge
eines starken Volkswachstums ein steigender Bedarf nach Land vorhanden
 gewesen wäre. Auch Lamprecht hat darauf hingewiesen,
daß der Ausbau und die wachsende Intensität der Landeskultur
damals gesellschaftliche Auswirkungen hatte, indem sie gegen

N F. R. Winter, Die Zisterzienser des nordöstlichen Deutschland, 1869/71. —
H. Muggentaler, Kolonisatorische und wirtschaftliche Tätigkeit eines deutschen
Zisterzienserklosters im 12. u. 13. Jahrhundert, 1924. — Vgl. auch das Material bei
K. Kretschmar, Historische Geographie von Mitteleuropa, 1904 u. Kmiotek,
Siedelung und Waldwirtschaft im Salzforst, 1900 u. O. Schlüter, Wald, Sumpf und
Siedelungsland in Altpreußen vor der Ordenszeit, 1921.
2%) Fastlinger, a. a. O., S. 2. Die in diesen Worten liegende Übertreibung
ist von F. Gutmann, „Die soziale Gliederung der Bayern zur Zeit des Volksrechts‘,
1906, S. 179ff. auf das richtige Maß zurückgeführt worden.
3) a. a. O., Bd. 2, S. 180ff.
%) Dopsch, Die Wirtschaftsentwicklung, a. a. O., Bd. ı, S. 247 u. Bd. 2, S, 49.
            
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