Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

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(993) 1866 Aug. 6 
Wenn die neue, von einem Amerikaner der hiesigen Regierung 
vorgelegte Hinterladungsflinte die Snider-Enfield ist, so ist sie 
nicht viel wert, Es muß aber wohl eine andre sein, von der Du 
sprachst. Übrigens ist wenig daran gelegen, über den schon mit 
dem Zündnadelgewehr erreichten Grad hinaus rascher zu schießen, 
da sich der Unterschied in der Praxis fast auf Null reduziert, da- 
gegen wird große Präzision und Scharfschießen jetzt immer wich- 
tiger. Ich lese mal wieder die Griesheimsche Taktik durch — 
wie veraltet da jetzt schon fast Alles ist! 
Beste Grüße an die ladies. ; 
N 
Dein 
F. E. 
994. Marxan Engels; 1866 August 7. 
7. August 1866. 
Lieber Fred, 
Du hast aus meinem letzten Brief richtig erkannt, daß mein Ge- zs 
sundheitszustand verbessert, obgleich er täglich auf- und ab- 
schwankt. Indes das Gefühl, wieder arbeitsfähig zu sein, does 
much for a man. Leider bin ich beständig durch social troubles 
unterbrochen und verliere viele Zeit. So z.B. heute hat der Metzger 
die Fleischzufuhr suspendiert und wird selbst mein Vorrat von zo 
Papier bis Sonnabend zu End sein. 
Laura ist seit gestern halb versagt an Monsieur Lafargue, 
meinen medizinischen Kreolen. Sie behandelte ihn wie die andern, 
aber die Gemütsexzesse solcher Kreolen, etwas Furcht, daß der 
jeune homme (er ist 25 Jahre) sich umbringen würde usw., etwas 2 
Zuneigung für ihn, kalt wie immer bei Laura (er ist ein hübscher, 
intelligenter, energischer und gymnastisch entwickelter Bursche), 
haben mehr oder minder zu einem halben Kompromiß geführt. 
Der Junge attachierte sich erst an mich, übertrug aber bald die 
attraction vom Alten auf die Tochter. Seine ökonomischen Ver- x 
hältnisse sind mittlerer Natur, da er das einzige Kind einer 
früheren Pflanzerfamilie. Er ist ray6 de l’universit& de Paris pour 
deux ans, wegen des Congres a Liege, will aber sein Examen zu 
Straßburg machen. Nach meinem Urteil hat er außerordentliches 
Talent für die Medizin, worin er jedoch unendlich skeptischer als 35 
unser Freund Gumpert. Der medizinische Skeptizismus scheint 
in Paris bei Professoren und Studenten an der Tagesordnung. 
Z. B. Magendie, der alle Therapeutik, im jetzigen state, für Schar- 
latanerie erklärt. Dieser Skeptizismus schließt, wie immer, crot- 
chets nicht nur nicht aus, sondern ein. Lafargue z. B. glaubt an % 
den Alkohol und die Elektrizität als Hauptheilmittel. Er hat
	        
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