Object: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

erreicht, indem die sog. „Kreditwirtschaft“ den wirklichen Gebrauch 
des Geldes immer mehr entbehrlich macht und eine höhere Form der 
Geldwirtschaft ausbildet, die erst durch die geldwirtschaftliche 
Verkehrstechnik ermöglicht wurde‘). 
Frühzeitig, schon seit der griechisch-antiken Zeit, wurden 
jener Auffassung entsprechende Wirtschaftsstufen unterschieden, 
Am bekanntesten sind in neuerer Zeit die von Karl Bücher ge- 
worden, welche durch sein viel gelesenes Buch, „Die Entstehung der 
Volkswirtschaft“ (1891) geradezu dogmatische Bedeutung und hohes 
Ansehen gewannen, obwohl sie gar nicht von ihm selbst gefunden, 
sondern schon durch den bekannten Nationalökonomen Schönberg 
(1867) vorgezeichnet worden sind°). Vor allem hat die von Bücher 
als „geschlossene Hauswirtschaft“ bezeichnete Wirtschaftsstufe lange 
Zeit viel Anklang gefunden, obwohl die besten Kenner aller jener 
Wirtschaften und Kulturen, in welcher sie geherrscht haben soll, 
sie bereits als unwirklich und unhistorisch erwiesen haben‘). Sie ist 
— meint Bücher — eine reine Naturalwirtschaft und genügt sich 
selbst (Autarkie), da sie alle Bedarfsgüter selbst erzeugt, eine tausch- 
lose Wirtschaft ohne Geld. 
Auch für die zweite Wirtschaftsstufe Büchers, die Stadtwirt- 
schaft, müßte folgerichtig jeder Geldbedarf als entbehrlich betrachtet 
werden, da sie als eine direkte Kundenproduktion hingestellt wird. 
Der landwirtschaftliche Produzent tauscht auf dem städtischen 
Markt seine Erzeugnisse gegen die Gewerbe- und Handelsartikel 
der Bürger ein. Also Naturaltausch ohne Zwischenhandel? 
2) Vgl. B. Hildebrand, Naturalwirtschaft, Geldwirtschaft und Kreditwirt- 
schaft. Jbb. f. Nationalökonomie und Statistik 2, ı ff. (1864). 
5) In dem Aufsatze „Zur wirtschaftl. Bedeutung d. deutsch. Zunftwes. i. 
MA. Jbb. f. Nat. Okon., 9. Bd. — Vgl. dazu I. Plenge, Wirtschaftsstufen u. Wirt- 
schaftsentwicklung. Brauns Annal. f. soziale Politik u. Gesetzgebg. 4, 495 £. 
1916). 
®) Es seien hier neben vielen anderen nur hervorgehoben: O. Leroy, Essai 
d’Introduction critique A P&tude de P’&conomie primitive (Les th&ories de Karl 
Bücher et l’&thnologie moderne), Paris 1925; ferner Ed. Meyer, Die wirtschaftl. 
Entwicklung des Altertums. Jb. f. Nationalökon. und Statistik 64, 696 ff. (1895), 
sowie J. Beloch, Griech. Gesch. III, 22, 419 ff. (1923), M. Rostovtzeff, The Social 
and economic history of the Roman Empire (1926), S. 482 £f., sowie neuestens 
in dem Aufsatze The decay of the ancient world and its Economic explanations. 
The Economic History Review 2, 197 ff., bes. 200 f. (1930); für das Mittelalter 
aber (die sog. Fronhofswirtschaft!), bes. G. v. Below, Probleme der Wirtschafts- 
yesch. (1920) passim.
	        
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