Ausblick
pprengt, um sich der französischen Bedrückung
zu entziehen. Als Eingeborener einer früheren
deutschen Kolonie kann ich bekunden, daß sich
die Franzosen wie ein Gifthauch ausgewirkt
haben. All die ausgezeichneten Einrich—
lungen, die die Deurschen pflegten, sind
»ernachlässigt, der Handel ist zerstört
uind die Bevölkerung bis auf die Knochen
hesteuert. Wir haben nun genug gehört von
der angeblichen Gottlosigkeit der Deutschen;
venn aber die Wahl besteht zwischen ihnen
und den Franzosen, dann gebt uns die Deutschen;
Bott möge geben, daß sie bald zurückkehren.“
Der Kolonialdeutsche, Berlin 1. 12. 1927.
Ausbelick
Der Überblick über die wirtschaftliche Lage der
Kolonien ergibt die Tatsache, daß in Südwestafrika,
Ostafrika und Britisch-Kamerun erhebliche deuische
Interessen vorhanden sind. Letzteres ist fast ein
rein deutsches Wirtschaftsgebiet unter britischer Ver—
valtung, in Südwest beginnen die Deutschen um
hie Mehrheit zu kämpfen und in Ostafrika dürfte
n absehbarer Zeit die deutsche Bevölkerung der
zritischen Zivilbevölkerung gleich sein. Das ist
zewiß rühmlich für die deutsche Spannkraft und
Leistungsfähigkeit, wenn man an die schamlose
Beraubung und Vertreibung unter dem Namen
Liquidation und Repatriierung denkt. Es ist aber
oor allem ein starkes Bekenntnis zum Kolonial⸗
villen des Teiles unseres Volkes, der aus eigener
Sachkunde ein Urteil abzugeben berufen ist. Dort,
wie in den Gebieten, in denen wir z. T. noch
durch Gewalt oder Tücke am Weitbewerbe ver—
hindert werden — eine Angst, die uns ehrt! —,
sind die Kriegsfolgen überwunden, und die Er—
folge deutscher Arbeit fallen als üppige Ernte
unseren unrechtmäßigen „Rechtsnachfolgern“ in
den Schoß. Die Hoffnungen, die wir seinerzeit
ruf unsere Kolonien setzten, haben sich als sachlich
gerechtfertigt erwiesen. Wir haben ihre wirtschaft⸗
lichen Mögßglichkeiten nicht überschätzt, sondern
richtig eingeschätzt, als wir ihren Wert auf
70 Milliarden Goldmark berechneten. Diese sind
uns bisher nicht gusgebracht. Man hat die Ent⸗
schädigungen der beraubten Kolonial- und Übersee—
deutschen aus den Tawes-Annuitäten im Haag
abgelehnt. Wir werden nunmehr fordern müssen,
daß, wenn die Mandate in Eigentum der jetzigen
Inhaber umgewandelt werden sollten, der volle
Wert auf unser Kriegsdebet angerechnet wird.
Beschieht die Umwandlung aber nicht — und das
allein entspricht dem Rechte — dann müssen uns
die Mandate wieder übertragen werden, nachdem
in Locarno anerkannt ist, daß die einzige Recht—
fertigung des Kolonialraubes, unsere angebliche
oloniale Unfähigkeit und Unwürdigkeit, eine Lüge,
die Kolonialschuldlüge — gewesen ist. Wir
sind nach wie vor unter den Weltvölkern eines
der ersten. Und Weltvölker haben das Recht und
die Pflicht mitzuwirken bei der Einfügung der
ioch brachliegenden Gebiete in die Weltwirtschaft
ind die Zivilisation.
Es bliebe die Frage, ob Deutschland mit
jeiner jetzigen traurigen Wirtschaftlage überhaupt
vieder Kolonialbesitz mit Aussicht auf Erfolg
in Verwaltung nehmen könnte. Wir sind
er Meinung, daß das bejaht werden muß. Wir
oürden Rohstoffe zu erschwinglicheren Preisen
us eigenen Schutzgebieten beziehen als aus dem
luslande, ganz abgesehen davon, daß 30 - 405
er Kosten unserer Volkswirtschaft in Gestalt von
handels⸗, Reederei⸗, Versicherungsgewinnen und
Is Gehälter und Unterhaltungskosten unserer in
en Kolonien tätigen Landsleute wieder zuflössen.
die Tatkraft unserer Auslandsdeutschen, zum
roßen Teile völlig brachgelegt, würde ein Be—
itigungsfeld finden und die Kolonien in An—
etracht unserer Rohstoffnot zu einem ungeahnten
lufschwung bringen. Das alles würde das
Nutterland wirtschaftlich stärken und im Hinblick
uf seine Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage
ahlungsfähiger machen. Uns will scheinen, daß
uch Teutschlands Gläubiger ein Interesse an
ieser Lösung haben.
Geld braucht Deutschland nicht für die Ver—
»altung eines ihm neu zufallenden Kolonial—
esitzes. Tenn wie schon 1909 bringen auch
eute noch die Kolonien ihre Verwaltungskosten
elbst auf. Und Privaätkapital ist für Afrika
mmer noch zu finden, ganz abgesehen davon,
,aß die Amerikaner, in der Überzeugung, daß
kolonialbesitz Deutschland zur Ersüllungspolitik
zach dem Dawesplan fähig macht, bereit sind, es
a deutschen Kolonien anzulegen oder ihnen zur
zerfügung zu stellen.
Macht ist dazu auch nicht nötig. Man könnte
in die relativ gleichfalls machtlosen Kolonialstaaten
Sortugal, Spanien und vor allem Holland denken
— aber ist dieser Einwurf überhaupt berechtigt
ud würdig? Wenn man etwas nicht unternehmen
»ll, weil man es im Kriegsfalle nicht schützen
ann, hätten wir dann unseren Überseehandel,
nsere Schiffahrt wieder ausfbauen dürfen? Ja,
ind wir denn in der Lage, den Bauern hinter
em Pfluge, den Arbeiter an der Maschine zu
hützen? Und sollen Pflug und Maschine deshalb
illstehen?
Und dann malen pazifistische Phantasten ein
hauriges Gemälde von dem „mit Kolonialbesitz nicht
elasteten“ Deutschland, das außerhalb der Rassen⸗
ämpfe bleibt und sich womöglich gar deswegen
„er Liebe und Verehrung der farbigen Rassen er—
reut. Ich habe darüber eine kleine Schrift ge—
hrieben (Imperialismus und Kolonialpolitik,
serausgegeben 1927 von der Deutschen Kolonial—
gesellschaft), die diese Illusionen widerlegt. Hier
rur soviel: was für China und Indien gelten
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