Object : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

432 VII]. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
Fassen wir das über die Besonderheit eines kapitalistischen
Geistes Festgestellte zusammen, so wird es sich doch nur um einen
Unterschied quantitativer Art gegenüber dem allgemeinen Erwerbssinn
 handeln.
keit besonderer Art, die im Pietismus (Calvinismus) enthalten ist,
nachdrücklich hingewiesen zu haben. Tröltsch ist gleichfalls für diese
Gedanken eingetreten. über den Zusammenhang, dem diese Fragen
angehören, s. m. „Ursachen der Reformation“ S. 68 ff. Andererseits
ist der Kritik. die Rachfahl und Brentano an den Darlegungen von
Weber und Tröltsch geübt haben, keineswegs die Berechtigung abzusprechen;
 besonders Rachfahl hat wichtige Gesichtspunkte geltend
gemacht. Meine Auffassung ist im Text angedeutet; zu einer umfassenden
 Darstellung der Wirkung des Calvinismus ist hier nicht der
Ort, da unser engeres Thema nur die Ermittelung. der Anfänge von
größerer Kapitalbildung ist. Man wird mehr die allgemeine Bedeutung
 des Calvinismus (Pietismus) für die Stärkung der Arbeitsfreudigkeit
 zu betonen haben als eine besondere Bedeutung für die
Gestaltung des Kapitalismus, und soweit er für den Kapitalismus
Bedeutung hat, weniger seine Bedeutung für dessen Entstehung als
für die Ausbildung einer Sonderart des Kapitalismus. Wenn Brentano
 gegenüber Weber dier: wirtschaftliche Tätigkeit der Katholiken
und Hugenotten in der Diaspora auf eine Linie stellt, mit dem Hinweis
 auf „die allgemeine Erscheinung, daß Angehörige eines Glaubensbekenntnisses,
 welches immer dies sein mag, in der Diaspora
ihre Fähigkeiten außerordentlich betätigen und zu großem Wohlstand
gelangen“, so muß doch die „Allgemeinheit“ dieser Erscheinung bestritten
 werden; es lassen sich doch starke Unterschiede nachweisen.
Die Diaspora an sich tut es nicht! Zu der gewiß nicht einfachen Frage,
in welchem Maß die Profanarbeit als eine von Gott gestellte Aufgabe
 im mittelalterlichen Katholizismus einerseits und im Protestantismus
 andererseits geschäßt wird (Brentano S. 134 gegen Weber),
s. die vorhin S. 423 Anm. 2 genannte Literatur. Wenn Brentano
Weber vorwirft, daß er den „Beginn der heidnischen Emanzipation
in Jtalien,“ die „Emanzipation des Traditionalismus, welche in Italien
 zur glänzendsten Entfaltung des Kapitalismus geführt hat“,
ignoriere (S. 122 u. 134), so geht doch die Entwicklung der neueren
 Zinstheorie nicht gerade von Italien (Macchiavelli) aus. Und
ist denn in Italien am Ende des Mittelalters schon ein wirklicher
„glänzender Kapitalismus" vorhanden? Vielleicht ein Handelskapitalismus,
 aber noch nicht ein gewerblicher, sondern nur Ansätze
bazu. Vgl. oben S. 418. Leidlich reich kann ein Land auch ohne
eigentlichen Kapitalismus werden. Aus meinen Bemerkungen im
            
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