38
A. Tatsachen
Die Vorzüge des Massenfilialsystems sind zuerst wahrgenommen
worden von den Konsumvereinen. Ihre günstige Entwicklung hat in
der letzten Zeit auch die privaten Kleinbetriebe vielfach veranlaßt,
sich zu Einkaufsgenossenschaften zusammenzuschließen. Die bekann⸗
teste unter ihnen ist die „EDK.“ (Einkaufsvereinigung deutscher
Kolonialwarenhändler) mit 30 o0oo Mitgliedern und 75 Millionen
Umsatz im Jahre 1926. Zweifellos muß in den privaten Massen⸗
betrieben neben den Konsumvereinen die zukunftsreichste Form der
organisatorischen Rationalisierung im Handel gesehen werden. Auch
die Zukunftsaussichten der Werkskonsumanstalten müssen günstig
beurteilt werden. Ihre Umsätze betrugen in Deutschland im Jahre
1926 etwa 100 Millionen Reichsmark. Dagegen sind die Trust⸗
verkaufssysteme und die staatlichen Handelsunternehmungen in
Deutschland bisher unbekannt geblieben. Ihrer Entwicklung stehen
allgemeine politische Gründe entgegen.
Ob und in welchem Umfange diese Rationalisierungsbestrebungen
auch zu einer Verringerung der Zahl der Betriebe führen werden,
ist freilich ungewiß. Es darf nicht übersehen werden, daß die
Arbeitsteilung und Spezialisierung des Warenangebots noch im
Fortschreiten begriffen ist. Immer weniger übt der Warenhersteller
gleichzeitig auch die Funktion des Haͤndlers aus. Selbst der Hand⸗
werker ist heute vielfach für den Absatz seiner Ware auf die Spe⸗
zialkenntnis des Händlers angewiesen. Auch muß berücksichtigt werden,
daß in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Waren neu auf den Markt
gekommen sind. Dies gilt für Rohstoffe (Kautschuk, Erdöl,
Kopra usw.) ebenso wie es für die Fertigfabrikate gilt. Man denke
an das Fahrrad, die Nähmaschine, das Grammophon, den Fern⸗
sprecher, den Radioapparat, das Auto, die Haushaltungsmaschine
und viele andere mehr. Auch kommt durch das gesteigerte Tempo des
Modewechsels in allen der Mode zugaͤnglichen Gewerben eine un⸗
übersehbare Fülle neuer Waren jahrlich, halbjährlich, vierteljaͤhrlich
auf den Markt, die Hunderttausende von Mittelspersonen bean⸗