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Süß’ Hypo-
*hese.
das große Bassin des Münzbedarfs der Staaten der Währungskon-
vention abgestoßen werden können, und wenn nicht ganz exceptionelle
Verhältnisse eintreten, würde dadurch das Verhältnis für Dezennien
gewahrt werden können. Au eine solche Vereinigung der ver-
schiedenen in Betracht kommenden Länder ist aber in der Gegen-
wart auf keinen Fall zu denken, weil die Interessen derselben zu weit
auseinander gehen. Frankreich und die Vereinigten Staaten, welche
mit Silber übersättigt sind und unter der Silberlast erheblich leiden,
die Nordamerikanische Union mit ihrer bedeutenden Silberproduktion
ganz besonders, haben nur ein Interesse daran, den Wert des
Silbers wieder auf die frühere: Höhe emporzubringen, aber gar kein
Interesse, den gegenwärtigen Zustand zu fixieren, wie es durch die
Währungskonvention auf Grundlage des Verhältnisses von 1:34 der
Fall wäre. Die Goldwährungsländer, vor allen Dingen Deutschland,
können wiederum, wie wir sahen, zu keinem anderen Verhältnis die
Doppelwährung acceptieren, als es den gegenwärtigen Marktverhält-
nissen entspricht, weil sie sonst das schwer erkaufte Gold gegen
antwertetes Silber verlieren würden, ohne die Garantie zu haben, daß
das Silber nun auch dauernd den hohen Wert behalten würde. Viel-
mehr würden sie das Risiko auf sich nehmen, daß sich dieses Ver-
hältnis nach einiger Zeit unhaltbar erwiese, die Währungsvereinigung
auseinanderfiele, und sie dann genötigt wären, wieder bedeutende Öpfer
zu bringen, um das erst kürzlich hingegebene Gold wieder zurück zu
kaufen, ohne daß sie einen entsprechenden Gewinn dafür in Aussicht
hätten. Solange also die gegenwärtige Goldproduktion anhält, dumit
lie erweiterte Goldwährung ohne Schwierigkeit aufrecht erhalten
werden kann, ist an eine Durchführung des Bimetallismus absolut
ıicht zu denken. Damit ist aber nicht gesagt, daß nicht in der
Zukunft Zeiten eintreten können, wo man auf diesen Gedanken zurück-
<ommt, ja sogar genötigt sein kann, denselben zur Realisation zu
ringen.
Die bimetallistische Bewegung ist in den 70er Jahren besonders
Jlurch den berühmten Wiener Geologen Süß unterstützt, wo nicht ins
„eben gerufen, der in seinem Werke „Die Zukunft des Goldes“ fach-
nännisch auseinandersetzte, daß die bisherige Produktion des Goldes
auf die Dauer nicht aufrecht zu erhalten wäre, man vielmehr auf einen
Rückgang derselben gefaßt sein müsse. Er wies darauf hin, daß
bisher die Goldgewinnung hauptsächlich aus dem Schwemmlande her-
;tamme, wo durch Auswaschung in verhältnismäßig einfacher und billiger
Weise das reine Gold aus dem Quarzsande gewonnen wird. Dieses
Schweramland ist nach ihm in der Hauptsache erschöpft, wie z. B. in
Kalifornien, und es sei nicht darauf zu rechnen, daß in den noch
unbekannten Gegenden, wie Afrika, Australien, neues Schwemmland
entdeckt werden würde. Es blieben also als weitere Quelle nur die
uarzgänge, welche bergmännisch ausgebeutet werden müßten und viel
größere Kosten verursachten, auch nicht so große Quantitäten zu
liefern vermöchten, wie dieses aus dem Schwemmlande bisher möglich
zewesen wäre. Er stellte deshalb für die Zukunft Goldknappheit und
Verteuerung des Goldes als unvermeidlich in Aussicht. Da nun damals
zerade ein Rückgang der Produktion wirklich beobachtet wurde, so
mußten diese Ausführungen den tiefsten Eindruck hervorrufen, und
38 erschien in der That gewagt, Gold zur Grundlage des Geldes zu
machen und zum Wertträger desselben zu wählen, wo eine Verschiebung