Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Die im 16. Jahrhundert als Folge des Schreckensregiments 
und später der Eroberung von Antwerpen stattfindende Einwande- 
rung umfaßte im wesentlichen Personen der mittleren und höheren 
Stände und ging wohl hauptsächlich aus den gewerblichen und 
kaufmännischen Kreisen hervor. Insbesondere hatten die west- 
lichen Teile der nördlichen Provinzen, Seeland und Holland, davon 
Nutzen, schon deshalb, weil sie ihrer Lage nach größere Sicherheit 
zu bieten schienen. Hier blieb kaum eine Stadt von diesen Ein- 
wanderungen unberührt. Überall brachten sie mit ihren Beziehungen, 
ihren handwerklichen und industriellen Kenntnissen und Erfahrungen 
ein Stück des alten, hochentwickelten brabantischen und flamischen 
Wirtschaftslebens mit sich. Sowohl über den Umfang wie über 
den Einfluß dieser Einwanderung hat man gestritten. Den Um- 
fang hat man zeitweise stark übertrieben, ihn auf 300 000 Menschen 
geschätzt, von anderer Seite auf 125 000!). Bedenkt man, daß 
die Bevölkerung der nördlichen Niederlande noch 1623 nur etwa 
1% Millionen Menschen betrug, daß das besonders von der Ein- 
wanderung berührte Leiden um 1620 kaum 45000 Einwohner zählte, 
so sind jene Angaben wohl zu hoch. Auch daß 1581, wie behauptet 
wurde?), 26% der gesamten nordniederländischen Bevölkerung aus 
südniederländischen Einwanderern bestanden haben soll, ist natür- 
lich nicht aufrechtzuerhalten. Wenn wir uns nun auch bescheiden 
müssen in der Feststellung einer bestimmten Zahl, sicher ist jeden- 
falls, daß der Einfluß jener Zuwanderung nicht 
gering gewesen ist; von der Zahl der Einwanderer braucht 
er gar nicht einmal in starkem Maße abhängig gewesen zu sein. 
Aber auch hinsichtlich der absoluten Stärke des Einflusses ist wohl 
manches übertrieben worden. 
In den kolonialen Unternehmungen gin- 
gen trotz jener Einwanderungen. doch die 
Nordniederländer voran; mit Recht hat man darauf 
hingewiesen, daß an den ersten, der großen Ostindischen Kompanie 
vorausgehenden Kompanie-Gründungen nahezu gar keine Süd- 
niederländer beteiligt waren; und später haben gerade die Unter - 
nehmungen von Usselinx und Moucheron, die 
3. van Schelven, S. 12, 16; vgl. oben S. 25. 
?) Ebenda, S. 13, Anm. 4; van Schelven ‚nimmt S. 16 etwa 60 000 
Einwanderer an, was wohl der Wahrheit ziemlich nahe kommen wird. 
al
	        
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