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Dichtung.
ziehungen der Personen zu einander gänzlich unerträglich werden
und die Katastrophe hereinbricht. Da ist also ein innerer Zu—
sammenhang vorhanden oder wenigstens in hohem Grade an⸗
gestrebt; und jene losere Form der Komposition ist überwunden,
die nichts thut, als Skizze neben Skizze, Scene neben Scene,
Bild neben Bild stellen. In Deutschland dagegen verharrte
man noch lange bei der mechanischen Art der Zusammenfügung
des Ganzen: es war, als ob man dem Roman jenen Schau—
bühnencharakter geben wollte, den man der Seele des In—
dividuums zuschrieb: so wie sich in dieser, wie auf einem
eigens dazu hergerichteten Podium, die Eindrücke gleichsam nur
mechanisch trafen und folgten, so sollte der Roman nur ein
Stelldichein, ein leeres Gehäuse sein für etwa durch Raum
und Zeit und deren vageste Unterkategorien zusammengehaltene
Skizzen.
Die Folge war natürlich — und das ist das eigentlich
Bezeichnende der nächsten Zeit —, daß die Führung der inneren
Entwicklung ganz an den Ausbau der Skizze überging.
Da tritt uns nun an erster Stelle wiederum der Name
Bleibtreus entgegen: schon längst vor dem Experiment seines
soeben behandelten Romans hatte er die Technik der im—
pressionistischen Skizze zu hoher Kunst zu entfalten begonnen.
Dies vor allem in einer bis dahin unerreichten Meisterschaft
und Treue zugleich der Schlachtenschilderung: wie unter—
scheidet sich da z. B. sein „Dies irae“ (1882), eine gewaltige
Darstellung der Schlacht von Sedan in Form der Er—
innerungen eines französischen Offiziers, von Wildenbruchs
bombastischen Heldenliedern „Vionville“ (1874) und „Sedan“
(1875)1 In anderen Stoffen freilich erreichte Bleibtreu
diese Höhe nicht; nicht selten stören vor allem romantische
und sentimentale Neigungen.
Auf seinem glänzendsten Gebiete aber fand Bleibtreu einen
ebenbürtigen, wenn nicht überlegenen Wettkämpfer in Liliencron.
Und eben Liliencron zeigt am besten, wie die neue Kunst einst⸗
weilen ganz auf die Skizze beschränkt ist. Denn in längeren
Erzählungen ist er gern ganz altmodisch und weiß sich selbst